Angriff oder Notwehr?

Schäferhund mit Messer attackiert - Polizei sucht Mann mit Dackel

Hier wurde der Hund mit einem Messer verletzt.

Kassel.  Die Polizei sucht einen älteren Mann mit Dackel, der am Dienstagnachmittag in Kassel-Harleshausen einen Schäferhund in den Hals gestochen haben soll. 

Petra Hagedorn (Name von der Redaktion geändert) war fassungslos, als sie am Dienstagnachmittag vergangener Woche mit ihrem Hund am Gladiolenweg in Harleshausen unterwegs war. Beim Gassigehen wurde ihr siebenjähriger Belgische Schäferhund von einem Dackelbesitzer mit einem Klappmesser in den Hals gestochen. „Mein Hund hatte großes Glück. Wenn seine Luftröhre oder Halsschlagader getroffen worden wäre, hätte er es wohl nicht überlebt“, sagt die 47-jährige Frau aus Kassel.

Sie berichtet, dass sie gegen 16 Uhr mit ihrem Hund aus dem Habichtswald gekommen und an der Kreuzung zum Gladiolenweg angekommen sei. Ihr Hund, der nicht angeleint war, sei wenige Meter vor ihr gelaufen. Da sie sich im Kreuzungsbereich befunden habe, habe sie nicht gesehen, dass ihr ein Mann mit einem Zwergrauhaardackel entgegengekommen sei, sagt Hagedorn. Ansonsten hätte sie ihren Hund sofort zurückgerufen.

Der Mann habe sie noch freundlich gefragt, ob ihr Hund ein Rüde oder eine Hündin sei. Sie antwortete, dass es sich um einen Rüden handele. Ihr Schäferhund habe vor dem Mann und dem Dackel gestanden und geknurrt. „Das war aber nichts Wildes.“ Ihr Hund habe nicht nach dem Dackel geschnappt, das hätte sie mitbekommen.

„Mit Messer abgewehrt“

Plötzlich habe sie gesehen, dass der Mann eine Handbewegung gemacht habe. „Ich dachte, dass er ihn weggeschoben hat.“ Dann habe der Unbekannte zu ihr gesagt, sie solle den Hals ihres Hundes anschauen, weil er diesen gerade mit einem Messer abgewehrt habe.

Sie habe das erst gar nicht glauben können, sagt Hagedorn. Als ihr Hund dann aber geröchelt und sie das blutverschmierte Messer in der Hand des Mannes gesehen habe, habe sie realisiert, was passiert sei. „Ich habe den Mann gefragt, ob er eine Macke hat. Daraufhin sagte er zu mir, ich solle nicht unverschämt werden. Dann habe ich nur noch zugesehen, dass ich mit meinem Hund Land gewinne.“

In der Tierklinik in Bettenhausen wurde der Belgische Schäferhund behandelt, die Wunde wurde genäht. Die Rechnung betrage bereits über 370 Euro, berichtet die Frau.

Anschließend verständigte sie auch die Polizei, die jetzt wegen des Verdachts eines Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz ermittelt. „Wir suchen nun nach dem Mann mit dem Dackel und nach weiteren Zeugen“, sagt Polizeisprecher Torsten Werner. Für die Ermittlungen sei es erforderlich, dass auch der Dackelbesitzer seine Version des Zwischenfalls schildere.

Notstand-Paragraf

Es könne nämlich auch in Betracht kommen, dass der Mann einen Rechtfertigungsgrund für sein Handeln gehabt habe, so Werner. Der Polizeisprecher verweist auf den Notstand-Paragrafen, der hier möglicherweise angewendet werden könnte.

Petra Hagedorn kann nachvollziehen, dass der Mann möglicherweise Angst vor ihrem knurrenden Schäferhund gehabt hat. Dann hätte er ihr das aber auch zurufen können. „Es bestand kein Grund, ihn abzustechen. Das ging ruckzuck.“ Die Klinge des Klappmessers mit schwarzen Griff soll mindestens zweieinhalb Zentimeter breit und acht bis zehn Zentimeter lang gewesen sein.

Beschreibung: Der Mann ist etwa 70 Jahre alt und 1,65 Meter groß. Er habe eine normale Figur, weiß-graues, recht volles, leicht gelocktes Haar. Er trug einen langen, hellen Wollmantel. Hinweise an die Polizei unter Tel. 05 61/9100.

Hintergrund

Laut der Gefahrenabwehrverordnung über die Anleinpflicht für Hunde in der Stadt Kassel müssen Hunde auf bestimmten Flächen in der Stadt angeleint werden. Der Gladiolenweg (Harleshausen), wo der Belgische Schäferhund angestochen wurde, gehört laut Stadtsprecher Michael Schwab nicht dazu. Zudem gibt es in Hessen keine gesetzliche Anleinpflicht für Hunde im Wald.

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