Tram-Ausbau

Straßenbahn nach Harleshausen: Stadt Kassel und KVG zeigen sich zuversichtlich

So könnte das in Harleshausen einmal aussehen: Die Illustration der KVG zeigt eine Straßenbahn auf der Wolfhager Straße am Ortsausgang in Richtung Freibad. Wegen der Enge müssten auch an dieser Stelle der Strecke die Tram-Schienen auf der Straße geführt werden.
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So könnte das in Harleshausen einmal aussehen: Die Illustration der KVG zeigt eine Straßenbahn auf der Wolfhager Straße am Ortsausgang in Richtung Freibad. Wegen der Enge müssten auch an dieser Stelle der Strecke die Tram-Schienen auf der Straße geführt werden.

„Wir sind nicht angetreten, um das Buch zuzuklappen“, betonte Oberbürgermeister Geselle im Ortsbeirat. Für den Tram-Ausbau nach Harleshausen setzen Stadt und KVG auf die Neubewertung der Kosten und Nutzen.

Kassel/Harleshausen – Garantieren wollen sie nichts. Doch haben Oberbürgermeister Christian Geselle und Vertreter der Kasseler Verkehrs-Gesellschaft (KVG) am Mittwochabend im Harleshäuser Ortsbeirat Zuversicht verbreitet, dass es mit dem Ausbau der Straßenbahnstrecke doch noch klappen könnte.

Alle Hoffnung setzen OB und KVG auf die Neubewertung der Kosten und Nutzen der geplanten Tram-Verlängerung. Denn noch, so erinnerte Geselle in der Sitzung, sei der auf 100 bis 110 Millionen Euro geschätzte Streckenausbau nicht förderfähig, es gibt dazu also keine Mittel von Bund und Land.

Die Präsenz von Stadt und KVG in der Sitzung des Ortsbeirats zeige aber, „dass wir das Projekt wollen“, betonte Geselle. „Wir sind nicht angetreten, um das Buch zuzuklappen.“ Allerdings gelte es, mit Fingerspitzengefühl vorzugehen, nicht mit dem Kopf durch die Wand zu wollen.

Über den aktuellen Stand der Tram Harleshausen informierte Oliver Andreas Erdmann, bei der KVG Leiter Assetmanagement (Vermögensverwaltung). Die Machbarkeitsstudie sei abgeschlossen. Das erfreuliche Ergebnis laute, dass die Tram-Verlängerung baulich realisierbar sei. Das weniger erfreuliche Ergebnis der davon unabhängigen Nutzen-Kosten-Untersuchung (NKU) besage, dass der Ausbau nicht förderfähig ist. Der Faktor müsse bei über 1 liegen, liege aber nur bei 0,2.

Aber, so Erdmann: Die standardisierte NKU-Bewertung stamme aus dem Jahr 2016. Die für das erste Quartal 2022 zugesagte Neubewertung werde Kriterien wie die Kohlendioxid-Ersparnis und die Reduzierung der Schadstoff-Emissionen bei dem Vorhaben stärker berücksichtigen. „Mit der neuen standardisierten Bewertung wird ein erheblich besseres Nutzen-Kosten-Verhältnis erwartet“, sagte Erdmann. Die KVG habe bereits erste Simulationen gemacht. Das „sehe sehr gut“ aus. Ob es zur Förderfähigkeit reiche, wolle er aber nicht versprechen.

Sollte der Ausbau 2022 positiv bewertet werden, gehen alle Unterlagen an Hessen Mobil und das hessische Wirtschaftsministerium, erklärte Erdmann zum Zeitplan. Es folgten weitere Gutachten, dann entscheide irgendwann das Ministerium über die Förderung. Liege der positive Bescheid vor, könne die konkrete Planung beginnen, der sich ein Planfeststellungsverfahren anschließe. Erdmann: „Wenn alles gut läuft, sind wir in acht bis zehn Jahren so weit, dass wir bauen können.“ Mit einer Bauzeit von vier Jahren sei zu rechnen. Bis die Tram über Rothenditmold nach Harleshausen rollt, werden also noch rund 15 Jahre ins Land gehen. Mindestens. Und auch nur dann, wenn niemand gegen die Pläne Klage erhebt.

Für Harleshausen kommen laut Studie drei Trassen in Betracht. Von der Wolfhager Straße kommend, führt Variante 1 vom Haroldsplatz über die Ahnatalstraße (wäre laut KVG die technisch einfachste). Variante 2 führt auf der Wolfhager Straße durch bis zum Freibad (technische Knackpunkte wegen der Enge im Ortskern). Variante 3 sieht eine Strecke vor, die vom Haroldsplatz zunächst auf der Ahnatalstraße, dann über die Harleshäuser zurück auf die Wolfhager Straße führt (enge Kurven).

Anita Mahrt vom Förderverein Schwimmbad betonte, der Parkplatz am Freibad dürfe nicht durch den Bau einer Wendeschleife wegfallen. Waltraud und Helmut Hartmann von der Kulturinitiative Harleshausen baten darum, frühzeitig in die Planungen eingebunden zu werden. „Es muss eine breite Akzeptanz zu dem Vorhaben geben“, meinte auch Oberbürgermeister Geselle. Gedacht sei an ein neues Instrument der Bürgerbeteiligung in Form eines Bürgerrats. Erneute Kritik, dass nicht die komplette Machbarkeitsstudie veröffentlicht werde, wies der OB zurück. Es dürfe nicht der Eindruck erweckt werden, dass etwas in den Hinterstuben der Amtszimmer entschieden werde, warnte er.

(Andreas Hermann)

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