Kritik an Wohnprojekt für schwierige Jugendliche

Angriffe auf Anwohner in Harleshausen: Nachbarn schlagen Alarm

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Thema im Ortsbeirat: An der Wolfhager Straße 406 hat vor drei Jahren das Wohnprojekt „180 Grad“ für Jugendliche sein Domizil bezogen. Jetzt übten die Anwohner Kritik. 

Kassel. Als dem Ortsbeirat Harleshausen das Wohnprojekt „180 Grad“ für schwierige Jugendliche vorgestellt wurde, hoffte das Gremium auf eine Bereicherung für den Stadtteil. Das Gegenteil ist passiert.

Das Vorhaben des Vereins Verbund sozialpädagogischer Kleingruppen, das 2015 an der Wolfhager Straße 406 startete, ist zum Problem geworden.

Die anfängliche Offenheit der Bürger ist Ärger, Angst und Enttäuschung gewichen, wie sich jetzt – drei Jahre später – während der jüngsten Ortsbeiratssitzung zeigte.

Die teils aufgebrachten Sitzungsbesucher berichteten von tätlichen Angriffen auf sie, von Beleidigungen, verbalen und körperlichen Bedrohungen sowie Ruhestörungen durch die Jugendlichen, die teils keine Schule besuchen. Man habe wiederholt die Polizei geholt, Anzeige erstattet, ohne Erfolg.

Ortsbeiratsmitglieder und Besucher zeigten sich schockiert über das Ausmaß verbaler und physischer Gewalt. „Die Einrichtung ist in dieser Form nicht mehr tragbar“, sagte Ortsvorsteher Reinhard Wintersperger (SPD). Und stellte auch noch klar: „Die Beschwerdeführer sind tolerante Menschen und keine Querulanten.“

180-Grad-Projektleiter Peter Schade bestätigte eine Eskalation der vergangenen Monate und bedauerte die Entwicklung. Es habe sich bei den Problemfällen konkret um zwei Jugendliche im Alter von 16 und 18 Jahren gehandelt, von denen einer inzwischen aus der Wohngruppe ausgezogen sei. Von den einst acht Bewohnern wohnten zurzeit noch sechs an der Wolfhager Straße. Man versuche, Problemfälle unter Kontrolle zu bringen. Die beiden hätten auch ihn und seine Kollegen „an die Grenzen gebracht“, räumte Schade, der auch Anti-Aggressivitätstrainer ist, ein. Man sortiere sich jetzt neu, habe Personal aufgestockt und wolle Ideen zur Problemlösung entwickeln.

Der Ortsbeirat fragte nach Regeln, Aufgaben, Beschäftigung für die Jungen, warum das Personal nicht eingreife, wie es mit der Aufsichtspflicht bestellt sei. Die Jugendlichen seien aufgrund ihrer Biografien besonders schwierig, 180 Grad sei ihre letzte Chance, man müsse ständig Eskalationen vermeiden, warb Schade um Verständnis. Tagsüber sind zwei, nachts eine pädagogische Fachkraft anwesend. Mit der Nachbarschaft habe man Kontakt aufgenommen. Drogen und Alkohol seien im Haus verboten.

Das Vertrauen in die Einrichtung sei verspielt, zu viel sei schief gelaufen, das Haus nicht sozial verträglich, notfalls müsse eine Bürgerinitiative her, erklärten enttäuschte Anwohner. Die Ängste und Kritik nehme er mit, versicherte Schade. In Kooperation mit dem Jugendamt werde man Konzept und Standort auf den Prüfstand stellen und noch in diesem Jahr dem Ortsbeirat darüber berichten, sagte er zu.

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