Kritik an hohen bürokratischen Hürden

Kasseler Zahnarzt hat syrische Kollegin eingestellt

Verstärkung aus Syrien: Der Zahnarzt Matthias Brückner arbeitet in seiner Praxis in Harleshausen seit kurzem mit Rim Matar Faraj zusammen, die aus Damaskus stammt. Foto: Rudolph

Kassel. Eine Zahnärztin aus Syrien hat in einer Kasseler Praxis die Chance zum beruflichen Neuanfang bekommen. Ihre eigene Praxis in Damaskus liegt schon lange in Schutt und Asche.

Jetzt hat die syrische Zahnärztin Rim Matar Faraj die Chance zum beruflichen Neuanfang in Harleshausen bekommen. Matthias Brückner, der dort seit 20 Jahren eine Praxis betreibt, hat die Kollegin aus Syrien Anfang des Monats eingestellt. Wenn er daran denkt, wie viele Hürden die Zahnmedizinerin bis zur Berufserlaubnis in Deutschland nehmen musste, schüttelt der 52-Jährige den Kopf.

Brückner hatte über eine Patientin den Kontakt zu der Syrerin bekommen, die einen Praktikumsplatz suchte. Rim Matar Faraj ist seit zwei Jahren in Deutschland, die Sprache hat sie schon gut gelernt. Der Auslöser, ihre Heimat zu verlassen, war der Krieg. Die 30-Jährige hat aber kein Asyl beantragt, sondern kam mit einem Visum hierher. Sie und ihr Mann, der in Syrien als Rechtsanwalt gearbeitet hat, leben von Ersparnissen. Das Paar hat zwei kleine Kinder im Alter von drei und eineinhalb Jahren. Die kleine Tochter kam schon in Kassel zur Welt.

Während des Praktikums stellte Matthias Brückner schnell fest, dass Rim Matar Faraj ihr medizinisches Handwerk versteht und bot ihr eine Stelle an. „Sie arbeitet gut und schnell“, sagt der Zahnarzt. Doch bevor die Syrerin hier überhaupt wieder Bohrer und Spritze zur Hand nehmen durfte, musste sie viel Geduld und Ausdauer beweisen. Das Wort „bürokratisch“ gehört längst zu ihrem Wortschatz.

Matar Faraj hatte zwar aus der Heimat eine Kopie ihres zahnärztlichen Diploms mitgebracht, auch als beglaubigte Übersetzung. Doch die Behörden verlangten Originale, berichtet sie. Für die Beschaffung und Übersetzung der Unterlagen, Gutachten und Verwaltungsgebühren hat sie bereits über 1400 Euro ausgegeben – dabei stehen die wichtigsten Sprach- und Fachprüfungen für eine volle berufliche Anerkennung noch aus.

Matthias Brückner mag kaum glauben, wie lang und umständlich der Weg zurück in den Beruf für seine Kollegin ist: „Da heißt es immer, wir brauchen Fachkräfte, und dann ist da jemand wie Rim hochqualifiziert und will arbeiten und man tut alles, um das zu erschweren“, sagt er. Vorerst hat die Syrerin nun eine Berufserlaubnis für zwei Jahre, ihr deutscher Chef hat die Aufgabe, ihre Arbeit zu kontrollieren. Brückner und sein Team sind froh über die neue Kollegin. Gerade kleine Praxen eigneten sich gut für die berufliche Integration, ist der Zahnmediziner überzeugt: „Sie sind persönlicher und überschaubarer als der Massenbetrieb einer großen Klinik.“

Auch Rim Matar Faraj fühlt sich wohl in ihrer neuen Stelle. Nur, dass sie auf Deutsch noch nicht immer die Worte findet, um den Patienten alles selbst zu erklären, wurmt die junge Frau. Das einzige Problem im beruflichen Alltag mit der Syrerin, das Brückner einfällt, ist anderer Natur: Matar Faraj ist Linkshänderin und nimmt daher eine andere Position neben dem Behandlungsstuhl ein. „Deshalb müssen wir jetzt die Saugschläuche verlängern, damit die Assistentinnen noch an die Patienten herankommen.“

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