Hier tickt’s nach „Daheime“

Längst eine Institution in Kassel: Das Wirtshaus Uhrtürmchen

„Herr und Frau Wirtshaus“: Matthias und Sandra Schelzig am Uhrtürmchen vor der Theke ihres gleichnamigen Lokals in Harleshausen. Foto: Hermann

Sie haben an ihrer Theke Paare zusammenkommen und Ehen auseinandergehen sehen. Sie haben die Dorfkneipe zu einer Mischung aus Wirtshaus, Bierlokal und Sportsbar mit Schwerpunkt Restaurantentwickelt.

Und leider haben sie sich über die Jahre auch schon von vielen Originalen ihrer Stammkundschaft verabschieden müssen: Matthias und Sandra Schelzig, „Herr und Frau Wirtshaus“ im Harleshäuser Uhrtürmchen.

Hier an der großen Theke hat das Wirtsehepaar schon viel erlebt. „Wir könnten Bücher schreiben“, sagt die 42-Jährige. „Das ist wie in einem Roman“, fügt der 52-Jährige hinzu. Und korrigiert sich sogleich: „Nein, das ist wie das richtige Leben.“

Vor 20 Jahren, im Oktober 1997, hat Matthias Schelzig (Spitzname: MAZinger) das Uhrtürmchen übernommen. Mit 32 Jahren erfüllte er sich den Traum vom eigenen Wirtshaus. Seither kommen Menschen zum Klönen, Fachsimpeln und um den Feierabend zu genießen. Biere werden hier noch mit Kreuzchen (für großes Glas) und Strich (für kleines Glas) auf den Deckel geschrieben. „Keine Szene-Bar, kein Schicki-Micki-Laden“ lautet das Motto.

Bier und Stracken-Schnappo

Matthias Schelzig stammt aus Meimbressen. Der gelernte Restaurantfachmann stieg im Hotel Gude zum Restaurantleiter und Ausbilder auf. Im Uhrtürmchen setzt er auf Tradition, geht aber mit der Zeit. 2007 strukturierte er um, etablierte das Lokal als Steakhaus. Zu den sechs Sorten frisch Gezapftes kam etwa der „Stracken-Schnappo“ mit ins Sortiment: ein Klarer mit scharfer Tomate und einer Scheibe Ahle Wurscht. Mit diesem Konzept gelang es, die Stammkunden zu halten und neue Gäste zu gewinnen. Schelzig erfreut: „Der Fremdzulauf ist ungeheuer. Wir sind wie eine große Familie und werden immer größer.“

Gesellige Runde: Matthias und Sandra Schelzig (links) mit ihrem Thekenteam bei der Feier zum 20-Jährigen. Foto: Schulte-Wachsmuth/nh

Durch das größere Speisenangebot haben Schelzigs die Rollen getauscht. Er steht seither vorwiegend in der Küche, wo er sonst auch niemanden ranlässt, und seine Frau am Tresen (Er sagt: „an der Front“). Zunächst war sie hier Stammgast. Seit 15 Jahren ist Sandra Schelzig nun bereits als Wirtin dabei.

Schalke-Fans

Zusammen kamen die beiden natürlich im Uhrtürmchen, inzwischen wohnen sie auch ein Stockwerk darüber. Ihr gemeinsames Interesse gilt dem Fußball. Vor allem: dem FC Schalke 04. Richtig ist, dass sie sich in der Kapelle der Schalke-Arena trauen ließen, sie hatten aber zuvor schon woanders geheiratet.

In dem für rund 80 Gäste ausgelegten Uhrtürmchen ist es bei Schalke- und Champions-Leaque-Spielen vor den neun TV-Bildschirmen auch mal doppelt so voll. Sechs Tage die Woche ist geöffnet. Und wenn mal ein wichtiges Schalke-Spiel am Sonntag stattfindet, wird für ein paar Stunden auch am einzigen Ruhetag geöffnet.

Wenn er aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr könnte oder aus finanziellen nicht mehr müsste, dann würde er trotzdem jeden Tag kommen, versichert Matthias Schelzig. Sein Uhrtürmchen – das ist einfach „wie daheime“. 

www.uhrtuermchen-kassel.de

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