Standort-Aufgabe

Edeka-Markt im Ortskern Harleshausen: Nach 22 Jahren ist in Kassel Schluss

Lothar Rommel in seinem Edeka-Markt in Harleshausen
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In der Gemüse- und Obstabteilung: Lothar Rommel in seinem Edeka-Markt, den er seit 22 Jahren im Harleshäuser Ortskern führt. Ende August ist dort mit ihm als Betreiber und mit der Edeka als Mieter endgültig Schluss.

Der Edeka-Markt im Harleshäuser Ortskern schließt Ende August. Was aus dem Ladenlokal wird, ist noch immer unklar.

Harleshausen – Noch rund drei Wochen, dann wird der Edeka-Markt im Harleshäuser Ortskern Geschichte sein. Der 28. August ist der letzte Verkaufstag. Geöffnet werde an diesem Samstag nicht mehr bis 18 Uhr, sondern nur bis 13 Uhr. Danach werde Inventur gemacht, kündigt Betreiber Lothar Rommel an. „Das ist schon ein komisches Gefühl“, sagt der 62-Jährige. Immerhin führt er den Markt in Harleshausen seit 22 Jahren. Seit zwei Jahrzehnten hat er die von der Edeka gemieteten Räume als selbstständiger Kaufmann von der Edeka angemietet. Nun laufen die Verträge aus.

Kunden, Bewohner und Politik im Stadtteil bedauern die Schließung des Lebensmittelmarkts im Ortskern. Zumal unklar ist, was aus dem Ladenlokal wird. Lothar Rommel betont, dass weder er noch die Edeka diesen Standort weiterbetreiben wollen. Eigentlich habe er schon vor Jahren hier rausgewollt. Doch weil der Mietvertrag der Edeka eine Laufzeit bis September 2021 habe, habe auch er bis dahin verlängert.

Der Markt in Harleshausen sei wegen der Räumlichkeiten ein schwieriger Standort, meint Rommel. Von der Zufahrt für Anliefer-Lkw und Kunden-Pkw über die Vorplatz- und Parkplatzsituation bis hin zu der Enge im Laden selbst: „Hier ist alles kompliziert“, sagt Rommel. Wo in anderen Märkten eine Person reiche, benötige man hier drei Leute für die gleiche Arbeit. Heute habe in modernen Märkten mit rund 2000 Quadratmetern Verkaufsfläche jedes Produkt seinen festen Platz. In Harleshausen mit nur 500 Quadratmetern gehe das nicht. Dabei sei der Umsatz des Marktes, dessen Warenbestand im Schnitt einen Wert von rund 150 000 Euro habe, gar nicht schlecht. „Man kann damit nicht reich werden, aber man kann schon was damit verdienen.“

Klar sei aber auch, so Rommel: „Wer nur Chef sein will, muss einen großen Markt haben.“ Er habe das in Harleshausen nicht gekonnt, habe sich daher stets als Verkäufer und Mitarbeiter verstanden.

Sieben Beschäftigte zählt der Betrieb, davon zwei in Vollzeit. Zwei Beschäftigte werden nach der Schließung des Standortes Harleshausen in den Edeka-Markt in Heckershausen wechseln, den Rommel zusammen mit seiner Tochter betreibt. In Ahnatal wird der 62-jährige Kasseler weiterhin tätig sein, nach dem Aus in Harleshausen eben nur noch dort. Rommel: „Ich gehe in Teilzeitrente.“

Offiziell laufen die Verträge der Edeka für den Markt in Harleshausen zum 30. September aus. Was dann aus dem Ladenlokal wird, ist noch immer unklar. Weder er als langjähriger Marktbetreiber noch die Edeka als langjährige Mieterin hätten Einfluss auf die Nachfolgersuche, betont Lothar Rommel. Zuständig für die Immobilie an der Wolfhager Straße sei eine Erlanger Hausverwaltungsgesellschaft, der Eigentümer sei ihm nicht bekannt.

Wie Rommel berichtet, habe er der Gesellschaft bereits zwei Interessenten für einen Lebensmittelmarkt vermittelt. Beide seien aber abgelehnt worden. Interesse an dem Standort habe auch eine bundesweite Biomarkt-Kette gezeigt. Die Verträge seien aber noch nicht unterschrieben, sagt Rommel.

„Edeka ist eine Familie“, sagt Lothar Rommel. Und die Familie Rommel ist ein nicht unbedeutender Teil dieser Edeka-Familie in Kassel und Umgebung. Lothar Rommel, der mit Ehefrau und Tochter in Oberzwehren wohnt, hat in der Stadt schon mehrere Märkte betrieben, teils auch parallel. Seine Schwester, mit der er einst den ersten Markt in Kassel eröffnete, betreibt heute den Standort in der Wittrockstraße. Seine Tochter führt den Edeka-Markt in Heckershausen, sein Sohn den in Vöhl am Edersee (Landkreis Waldeck-Frankenberg). 

(Andreas Hermann)

Schwierige Anliefer- und Parksituation: das Gebäude des Harleshäuser Edeka-Markts an der Wolfhager Straße.

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