Ortsbeiratssitzung

Stadtvillen-Pläne in Harleshausen: Nachbar befürchtet „Riesenriegel“

Haus Seebergstraße 7 in Harleshausen
+
Der Abriss droht: Das im Jahre 1928 errichtete Haus Seebergstraße 7 in Harleshausen.

Die Pläne zum Bau von Stadtvillen sorgen auch in Harleshausen öfter für Aufregung. Der Ortsbeirat hatte sich nun gleich mit mehreren Projekten zu beschäftigen.

Harleshausen – Ob Am Ziegenkopf, im Glockenblumenweg, in der Klinikstraße oder aktuell in der Seebergstraße: Der geplante Bau von Mehrfamilienhäusern, sogenannten Stadtvillen, sorgt in Harleshausen immer wieder für Diskussionen. In der Ortsbeiratssitzung am Mittwochabend ging es um mehrere solcher Bauvorhaben. Was im Stadtteilgremium die grundsätzliche Frage aufwarf: Wie sollen wir mit dem Thema Stadtvillen umgehen?

Anlass gab zunächst das 1928 im Kaffeemühlenstil errichtete Haus Seebergstraße 7. Wie berichtet, denkt ein Investor daran, das nicht unter Denkmalschutz stehende Gebäude abzureißen und auf dem rund 1600 Quadratmeter großen Grundstück ein Mehrfamilienhaus zu bauen. Gegenüber unserer Zeitung brachten Anwohner bereits ihre Sorge darüber zum Ausdruck. In der Sitzung berichtete ein Nachbar, dass im Internet bereits die Pläne veröffentlicht seien. Demnach sei ein „Riesenriegel mit zwölf Wohneinheiten“ vorgesehen, der die Sicht komplett verändern werde. Er forderte, dass die Struktur des Wohngebiets erhalten, der Ortsbeirat dazu Stellung beziehen und die Denkmalschutzwürdigkeit des Hauses geprüft werden müsse.

„Es ist schwierig, an dieser Stelle Position zu beziehen“, meinte Patrick Hartmann (SPD). Er könne verstehen, dass dies den Nachbarn nicht gefalle. Der Bebauungsplan lasse das aber zu, und die Nachverdichtung sei politisches Ziel der Stadt. Hartmann schlug vor, einen Appell zu beschließen, dass der Ortsbeirat den Erhalt des Hauses wünsche. Wenn es zum Neubau komme, müsse sich dieser in die Struktur des Wohngebiets einpassen und bei mehr als sechs Wohneinheiten die Sozialwohnungsquote berücksichtigen.

Dieser Vorschlag war Ortsvorsteher Reinhard Wintersperger (SPD) und anderen Ortsbeiratsmitgliedern zu umfangreich. Einstimmig wurde beschlossen, dass der Ortsbeirat den Erhalt des Hauses als „Zeugnis der Gartenstadt Harleshausen“ und die Prüfung der Denkmalschutzwürdigkeit fordert.

Beim Tagesordnungspunkt „Umbau und Erneuerung Glockenblumenweg“ wies Wintersperger auf den Zusammenhang mit einem Stadtvillen-Projekt hin. Unter dem Stichwort „Wohnpark Firnskuppe“ sind dort vier Gebäude mit 20 Eigentumswohnungen geplant. Anfang 2020 hatten Anwohner dagegen protestiert, weil sie eine deutliche Zunahme des Verkehrs auf der engen Straße befürchteten (HNA berichtete). „Dazu dient der Straßenausbau“, meinte der Ortsvorsteher. Erst wollte der Ortsbeirat die Pläne nur zur Kenntnis nehmen. Dann aber wurde einstimmig die Forderung beschlossen, dass die Stadt erst über die Pläne für den Neubau von Straße und Gebäuden informieren soll.

Das eine Projekt zur Kenntnis nehmen, über das andere zu beschließen, hielt Andreas Hempel (Grüne) nicht für den richtig Weg. „Wir als Ortsbeirat müssen eine grundsätzliche Regelung treffen“, meinte er. Die Idee wurde allgemein begrüßt. Wie eine solche Regelung aussehen könnte, darüber will man sich nun Gedanken machen.

(Andreas Hermann)

Zogen ebenfalls Anwohner-Kritik auf sich: Die an Stelle der Chefarzt-Villa errichteten Neubauten an der Klinikstraße (Bildmitte) oberhalb der Elena-Klinik. Pläne, die Beschilderung zu ändern, um den Verkehr zur Klinik künftig komplett über Lerchenfeldstraße und An den Rehwiesen (rechts) zu lenken, lehnte der Ortsbeirat ab.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.