Käufer hat Pläne für Mehrfamilienhaus

Nachbarn sind in Sorge um den Abriss eines 100 Jahre alten Hauses in Harleshausen

Wohnidyll: Das Haus an der Seebergstraße 7 in Harleshausen wurde 1928 erbaut. Inzwischen gibt es Pläne für eine Neubebauung des Grundstücks.
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Wohnidyll: Das Haus an der Seebergstraße 7 in Harleshausen wurde 1928 erbaut. Inzwischen gibt es Pläne für eine Neubebauung des Grundstücks.

Traumhaftes Grundstück, traumhafte Lage und ein schmuckes Haus aus den 1920er-Jahren: Viele Kasseler wären wohl interessiert, in das Haus an der Seebergstraße 7 in Harleshausen einzuziehen.

Kassel - Tatsächlich ist die Zukunft des Gebäudes und des Grundstückes aber ungewiss. Ein Investor aus Melsungen hat die Immobilie erworben und präsentiert erste Pläne für ein Mehrfamilienhaus auf dem 1600 Quadratmeter großen Grundstück. Etliche Nachbarn sind in Sorge. Sie hielten den Abriss für Frevel.

Als vor über einem Jahr die ältere Dame starb, die das 1928 im Kaffeemühlenstil gebaute Haus zuletzt alleine bewohnte, gab es keine Erben in der Familie. Die alte Frau vermachte die Immobilie ihrem Pfleger und einer Nachbarin, berichten die Anwohner. Diese wiederum boten das Haus zum Verkauf an. Es hätten etliche Interessenten auf der Matte gestanden, erzählt ein Nachbar. Den Zuschlag bekam schließlich die Rüttger Gruppe aus Melsungen. Nach HNA-Informationen sollen knapp 900 000 Euro geflossen sein.

Unruhig wurde die Nachbarschaft aber erst, als auf der Internetseite des neuen Eigentümers Pläne für eine Bebauung auftauchten. Demnach soll ein zweigeschossiges Gebäude entlang der Seebergstraße entstehen. Hinzu kommt ein zurückgesetztes Staffelgeschoss. Bei der Umsetzung dieses Vorhabens müsste das alte Haus weichen. Weil es nicht unter Denkmalschutz steht, wäre ein Abriss auch möglich.

Matthias Braun von der Rüttger Gruppe bestätigt den Kauf des Gebäudes. Man befinde sich aber noch in einem frühen Planungsstadium. Aktuell sei das Haus an eine Familie vermietet. „Die Pläne auf unserer Internetseite sind nur Ideenstudien. Es ist noch nicht klar, was wir mit dem Bestandsgebäude machen“, sagt Braun. So sei auch noch nicht vom Tisch, dass die historische Immobilie saniert werde. Auch wenn der Sanierungsbedarf groß sei. Nächstes Jahr werde eine Entscheidung getroffen.

Sollte es zu einer neuen Bebauung kommen, werde sich sein Unternehmen an die Vorgaben des bestehenden Bebauungsplanes halten. Dies gelte insbesondere für die mögliche Ausnutzung des Grundstückes. „Wir werden keinen Wohnturm errichten. Wir sind keine Spekulanten, sondern ein solides Unternehmen“, sagt Braun. Es sei aber auch klar, dass es dem „Eigentümer freisteht, im Rahmen der rechtlichen Möglichkeiten das Grundstück zu gestalten.“

Nach Auskunft der Stadt liegen bislang weder ein Abbruch- noch ein Bauantrag vor. Eine offizielle Bauvoranfrage gebe es ebenfalls nicht. Der Rathaussprecher bestätigt, dass das Haus kein Kulturdenkmal ist. Bei der letzten Überprüfung des Quartiers im Jahr 2008 sei es nicht als solches vom Landesamt für Denkmalpflege klassifiziert worden.

Eine Bebauung mit zwei Vollgeschossen sei zulässig. 40 Prozent der Grundstücksfläche dürften laut Bebauungsplan bebaut werden. (Bastian Ludwig)

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