Sophie Junghans, Ingeborg Bachmann und weitere Persönlichkeiten

Neue Straßen tragen ihre Namen: Baugebiet erinnert an Schriftstellerinnen

Straßen in Baugebiet erinnern an Schriftstellerinnen: (von links) Annette Kolb, Fanny Lewald, Ricarda Huch und Irmgard Keun

Die Straßen des neuen Baugebiets Zum Feldlager in Kassel-Harleshausen werden an deutsche Schriftstellerinnen erinnern. Wir stellen sie vor.

Mit Mehrheit hatte sich der Ortsbeirat Harleshausen jüngst dafür ausgesprochen und war damit dem Vorschlag des Magistrats gefolgt. Ingeborg Bachmann und Ricarda Huch sind die bekannteren Namen. Doch wer waren Annette Kolb, Fanny Lewald, Irmgard Keun und Sophie Junghans?

Annette Kolb

Die Tochter eines bayerischen Gartenbauarchitekten und einer französischen Pianistin wurde 1870 in München geboren. 1899 erschien mit „Kurze Aufsätze“ ihr erstes Buch. Die engagierte Pazifistin ging während des Ersten Weltkrieges in die Schweiz, kehrte 1919 zurück.

Annette Kolb

Während der Weimarer Republik war Annette Kolb eine viel gefragte und erfolgreiche Autorin. 1933 emigrierte sie zunächst nach Paris, dann nach New York. Die Nationalsozialisten hatten ihre Bücher öffentlich geächtet und verbrannt. Nach 1945 lebte die betonte Junggesellin in Paris, Badenweiler und München, wo sie 1967 starb. „Der Spiegel“ bezeichnete sie in seinem Nachruf als „Grande Dame der deutschen Literatur“ und als „Verfasserin graziös-geistvoller Romane“.

Fanny Lewald

Fanny Lewald wurde 1811 in Königsberg geboren. Ihr Vater war ein jüdischer Kaufmann. Er gestattete – andere Quellen sagen er bestimmte – 1829 den Übertritt zum protestantischen Glauben. 1843 erschienen ihre beiden Romane „Clementine“ und „Jenny“ – zunächst anonym.

Vorkämpferin der Frauenemanzipation: Fanny Lewald.

Trotz aller Widerstände wollte sie ihren Lebensunterhalt mit der Schriftstellerei bestreiten und zog nach Berlin. Während einer Rom-Reise 1845/46 traf sie ihren späteren Ehemann, den damals noch verheirateten Lehrer und Schriftsteller Adolf Stahr.

Neben den großen Romanen – „Wandlungen“ (1853), „Von Geschlecht zu Geschlecht“ (1864-66) – und vielen Erzählungsbänden veröffentlichte Lewald Aufsätze zur Gleichberechtigung. Sie galt als Vorkämpferin der Frauenemanzipation, blieb jedoch den patriarchalisch-bürgerlichen Vorstellungen verhaftet. Sie starb 1889 in Dresden.

Ingeborg Bachmann

Von den Frauen, an die die Harleshäuser Straßen künftig erinnern, dürfte sie die bekannteste sein: Die österreichische Schriftstellerin und Lyrikerin Ingeborg Bachmann gilt als eine der bedeutendsten Autorinnen des 20. Jahrhunderts. An sie erinnert der seit 1977 vergebene Ingeborg-Bachmann-Preis.

Ingeborg Bachmann

Bachmann wurde 1926 in Klagenfurt geboren. Sie studierte Philosophie, Psychologie, Germanistik in Wien, wo sie promovierte. Mit Paul Celan verband sie ein Liebesverhältnis, später galt ihre Liebe Max Frisch. Ingeborg Bachmann erhielt 1953 den Literaturpreis der Gruppe 47 für den Gedichtband „Die gestundete Zeit“. 1964 wurde der „brillanten Intellektuellen“ (Heinrich Böll) der Büchner-Preis zuerkannt. Seit 1954 lebte sie mit Unterbrechungen in Rom und litt unter Alkohol- und Tablettenabhängigkeit. 1973 erlitt sie schwere Verletzungen durch einen Brand, der beim Einschlafen mit einer brennenden Zigarette ausgelöst worden war. Wenig später starb Ingeborg Bachmannmit 47 Jahren an tödlichen Entzugserscheinungen.

Irmgard Keun

Sie widmete sich in ihren Werken jungen Frauen zur Zeit der Weimarer Republik: Mit ihren Romanen „Gilgi, eine von uns“ und „Das kunstseidene Mädchen“ wurde Irmgard Keun (1905 bis 1982) berühmt. Die ausgebildete Stenotypistin besuchte zunächst eine Schauspielschule, entschied sich dann jedoch für die Schriftstellerei. 1933/34 wurden ihre Bücher verboten. Sie ging ins Exil (1936 bis 1940), zunächst nach Belgien, später in die Niederlande.

Ihre Bücher wurden 1933/34 verboten: Irmgard Keun.

Nach dem Krieg arbeitete Irmgard Keun als Journalistin und schrieb kleinere Texte für Hörfunk, Kabarett und Feuilletons, konnte jedoch literarisch nicht wieder Fuß fassen. Sie litt unter Alkoholismus und verarmte, war von 1966 bis 1972 in der Psychiatrie. 1982 starb sie an Lungenkrebs.

Ricarda Huch

Sie gilt als erste Deutsche, die studierte und promoviert wurde: Ricarda Octavia Huch wurde 1864 in Braunschweig geboren und starb 1947 in Schönberg im Taunus. 1886 ging sie nach Zürich, wo sie nach dem Abitur Geschichte, Philologie sowie Philosophie studierte. Ein Frauenstudium war in Deutschland zu dieser Zeit noch nicht möglich. 

Ricarda Huch

1892 wurde sie als eine der ersten deutschen Frauen überhaupt an der philosophischen Fakultät der Universität Zürich promoviert. Sie arbeite als Bibliothekarin und Lehrerin und schrieb mit „Evoë!“ ihr erstes Bühnenstück. 1897 zog sie nach Wien, heiratete einen Zahnarzt und bekam eine Tochter. 1900 zog die Familie nach München, nach einer Affäre ihres Mannes folgte die Scheidung. Dem nationalsozialistischen Regime verweigerte sie ihre Loyalität.

Sophie Junghans

In den einschlägigen Lexika sucht man ihren Namen vergebens: Sophie Junghans ist die einzige Kasseler Schriftstellerin, deren Name ein Straßenschild tragen wird. Die Tochter des kurfürstlichen hessischen Hofrats Justus Junghans galt als gebildet, unternahm lange Reisen nach Berlin, England, und Italien. 1877 heiratete sie Joseph Schuhmann, Professor am technischen Institut zu Rom, und lebte seit 1878 wieder in Kassel.

1869 hatte sie einen Band Gedichte sowie die Novellensammlungen: „Verflossene Stunden“ (Leipzig 1871) und „Freudvoll und leidvoll“ (Jena 1873) veröffentlicht hatte, folgten die Romane: „Käthe, Geschichte eines modernen Mädchens (Leipzig 1876) und „Haus Eckberg“ (1878).

In Vellmar erinnert bereits seit 2005 eine Straße an die Autorin, die 1907 im thüringischen Hildburghausen starb.

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