Haus soll sogar gestärkt werden

Trotz Paracelsus-Insolvenz: Kasseler Elena-Klinik "wird definitiv nicht geschlossen"

Klares Bekenntnis für den Standort Kassel: Trotz Insolvenz der Paracelsus-Gruppe soll die Harleshäuser Elena-Klinik – unser Foto zeigt den Eingangsbereich – nach den neuesten Angaben des Konzerns weiter gestärkt werden. Archivfoto: Heise-Thonicke

Kassel. Der Paracelsus-Konzern steckt mit einem Millionendefizit in der Insolvenz. Was das für den in Kassel-Harleshausen geplanten Neubau bedeutet, ist allerdings weiter noch ungewiss.

Bundesweit streicht die Klinikgruppe 400 Jobs und schließt gar ein ganzes Krankenhaus: Nachrichten wie diese rund um die Insolvenz der Paracelsus-Gruppe haben in den vergangenen Tagen für Unruhe auch bei den Beschäftigten und Patienten der Harleshäuser Elena-Klinik gesorgt, die zu dem Klinik-Konzern gehört. Auf Anfragen unserer Zeitung zu möglichen Folgen für den Standort Kassel gab sich die Konzernzentrale stets bedeckt. Ob die Stellenstreichung auch die Kasseler Klinik betreffe, sei noch unklar, hieß es bislang aus Osnabrück.

Bessere Nachrichten sind am Donnerstag zu vernehmen gewesen. Erstmals meldete sich mit Chefärztin Dr. Claudia Trenkwalder dabei eine Verantwortliche der Elena-Klinik zu Wort. Der Anlass: Ein Patient hatte unserer Zeitung berichtet, seine fest terminierte stationäre Behandlung sei telefonisch abgesagt worden. Mit Verweis auf die Insolvenz habe eine Klinik-Mitarbeiterin erklärt, es sei derzeit nur eine ambulante Behandlung möglich. 

„Das ist mir völlig unerklärlich“, sagte dazu Chefärztin Trenkwalder. Es müsse sich um ein Missverständnis handeln. Der Betrieb in der Elena-Klinik laufe ganz normal weiter. Die Stationen seien wie gewohnt besetzt, alle Termine, Operationen und Behandlungen finden statt. Derzeit würden ganz viele Patienten stationär aufgenommen. Die Insolvenz habe auf die Patientenversorgung keinerlei Auswirkungen, versicherte die Neurologin.

Als sehr bedauerlich bezeichnete es Trenkwalder, dass die Harleshäuser Klinik von der Insolvenz der gesamten Paracelsus-Gruppe mitbetroffen sei. „Wir sind seit vielen Jahren das profitabelste Krankenhaus des gesamten Konzerns.“ Deshalb sehe sie auch die Zukunft des Hauses optimistisch. Kassel sei anerkannter Forschungsstandort (siehe Hintergrund unten). Der für 11,8 Millionen Euro geplante Erweiterungsbau werde dringend benötigt und wohl mit ein paar Monaten Verzögerung auch verwirklicht. „Ich gehe davon aus, dass der Neubau kommen wird“, betont die Chefärztin. Noch im Januar war um den Neubau gebangt worden.

Nach der klaren Positionierung Trenkwalders hörte sich denn auch am Donnerstag die Meldung aus der Konzernzentrale positiver als zuvor an. „Der Standort in Kassel wird definitiv nicht geschlossen“, teilte Simone Hoffmann, Sprecherin der Paracelsus-Kliniken Deutschland, mit. Nun, eine Schließung hatte man auch nicht erwartet. Doch ergänzte Hoffmann: „Das Gegenteil ist der Fall: Wir wollen den Standort Harleshausen künftig noch weiter stärken.“

Fraglich ist allerdings, was aus dem in Schieflage geratenen Konzern wird. Ob die Paracelsus-Gruppe saniert oder als Ganzes verkauft wird, soll sich in den nächsten Wochen entscheiden.

Hintergrund: Anerkannter Forschungsstandort

Die Paracelsus-Elena-Klinik Kassel ist das größte und ältestes Zentrum für Parkinsonsyndrome und Bewegungsstörungen in Deutschland. Sie wurde 1937 eröffnet. Die Einrichtung mit rund 200 Beschäftigten im Stadtteil Harleshausen verfügt über 120 Betten. Sie soll durch einen rund 11,8 Millionen Euro teuren Erweiterungsbau auf 140 Betten vergrößert werden. 

Das medizinische Spektrum reicht von der Frühdiagnose über Tiefenhirnstimulation, der Behandlung von orthopädischen Problemen bei Morbus Parkinson und Begleiterkrankungen des Restless-Legs-Syndroms bis hin zu Therapieangeboten. Die Klinik ist international anerkannter Forschungsstandort für neue Testverfahren zur Frühdiagnose von Parkinson. Der Standort Kassel gehört zu den Paracelsus-Kliniken Deutschland mit Sitz in Osnabrück, die mit 5300 Beschäftigten in 40 Einrichtungen zu den großen privaten Klinikträgern in Deutschland zählen. Im Dezember meldete die gesamte Klinik-Gruppe Insolvenz an.

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