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Grabstein-Rettung in Harleshausen: Ur-Opa gab sein Land für Friedhof am Stockweg

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Von: Andreas Hermann

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Freut sich über das Andenken an ihre Urgroßeltern: Heidi Schaefer mit dem Grabstein und dessen Rettern von Bürgerverein und Friedhofsverwaltung.
Freut sich über das Andenken an ihre Urgroßeltern: Heidi Schaefer mit dem Grabstein und dessen Rettern von Bürgerverein und Friedhofsverwaltung. © andreas hermann

Bürgerverein rettet Klapp-Grabstein. Ur-Opa von Heidi Schaefer verkaufte Gemeinde sein Ackerland für den Friedhof.

Harleshausen – Der Stein am Doppelgrab von Martha und Johannes Klapp war bereits von einem Bagger abgeräumt und stand auf dem Friedhof am Stockweg zur Entsorgung bereit. Als dies Mitglieder des Harleshäuser Bürgervereins entdeckten, schritten sie ein, handelt es sich doch bei dem 1927 gestorbenen Landwirt und Schmied Johannes Klapp um den Landgeber des 1909 gegründeten, „neuen“ Harleshäuser Friedhofs. Die Mitglieder um den Vereinsvorsitzenden Christian Höhre verhinderten den Abtransport, sorgten für den Verbleib und retteten damit den historischen Grabstein mithilfe der Friedhofsverwaltung.

Nun steht der Klapp-Grabstein an einem Ehrenplatz des Friedhofs, auf einem Sockel vor der alten Kapelle – zur besonderen Freude von Heidi Schaefer. Sie ist die Urenkelin der Bestatteten. „Es ist mir ein Anliegen, meiner alteingesessenen Familie ein Andenken zu bewahren“, sagte die Harleshäuserin.

Ihr Ur-Opa hatte der Gemeinde einst das Grundstück für den Friedhof verkauft, nachdem beschlossene Sache war, dass der alte Friedhof an der Niederfeldstraße (heute Spielplatz) nicht mehr erweitert werden sollte (siehe Bericht unten). Für Heidi Schaefer verbindet sich mit dem Friedhof am Stockweg aber mehr als nur die verwandtschaftliche Beziehung zu dem Landgeber. „Ich bin hier auf dem Friedhof groß geworden“, berichtete sie bei der kleinen Einweihungsfeier für den geretteten Grabstein.

Demnach hatten ihre Urgroßeltern vier Töchter und einen Sohn. „Die Tochter Elisa war meine Großmutter“, sagte Schaefer. Und diese habe Ludwig Gregori geheiratet, der nach dem Zweiten Weltkrieg auf dem Friedhof als Gärtner gearbeitet habe. „Als Kind brachte ich ihm morgens das Frühstück, bekam auch etwas davon ab, und goss danach alle Blumen, die nach Wasser schrien“, erinnert sich die 1943 geborene Harleshäuserin, die in den 1960-er Jahren im Kasseler Pressehaus in der Friedrichsstraße tätig war und die es anschließend unter anderem nach Bremen verschlug.

Seit 1999 ist Heidi Schaefer wieder zurück in ihrer Heimat Harleshausen. Sie wohnt in dem 160 Jahre alten Haus Kronenstraße 9, das Gebäude des ehemaligen Gasthauses „Zur Krone“ und das Geburtshaus des ehemaligen Bürgermeisters Wilhelm Führer.

Ihre Urgroßeltern wohnten direkt gegenüber, in dem Fachwerkhaus Kronenstraße 8. Sie betrieben Landwirtschaft und eine Schmiede. „Das Grundstück des heutigen Friedhofs war das Ackerland meiner Urgroßeltern“, erklärt Schaefer. Ihren Uropa Johannes habe sie nicht mehr kennengelernt. Aber es gebe noch Fotos mit der 1948 verstorbenen Uroma Martha, „als sie mich auf dem Arm hatte“. Die Urgroßmutter und ihre Großeltern hätten damals auf sie als kleines Mädchen aufgepasst. „Wir waren eine Großfamilie. Meine Mutter musste Geld verdienen, da mein Vater 1945 im Baltikum gefallen war.“

Die Urenkelin des einstigen Friedhof-Landgebers dankten allen an dieser Aktion Beteiligten „für die Unterstützung in Wort, Tat und Münze“. Mit dem gerade noch geretteten Grabstein ihrer Urgroßeltern wolle sie auch ein Zeichen setzen. Heidi Schaefer: „Ich bin stolz auf meine Vorfahren und versuche ihr Erbe zu bewahren.“

Nach Angaben von Heinrich (Heiner) Range vom Bürgerverein wurde der Harleshäuser Friedhof am Stockweg 1909 gegründet, die Kapelle wurde 1910 errichtet. Die bergige Fläche dafür hatte die Gemeinde dem Landwirt und Schmied Johannes Klapp abgekauft. Da „Schmied“ mundartlich zu „Schmidt“ wurde, sei dieser Bereich von den Harleshäusern immer als „Schmidt’s Berg“ bezeichnet worden. Range: „Man kam also auf Schmidt’s Berg, wenn man beerdigt wurde.“

Mit Hilfe des Bürgervereins ist auch ein Grabstein aus dem Jahr 1911 und damit die älteste erhaltene Belegung des Friedhofs gesichert worden. Der Stein des 1838 geborenen Landwirts Conrad Homburg und seiner Frau A. Gertrud wurde nahe der Kapelle niedergelegt, bildet nun eine Grabplatte.

(Andreas Hermann)

Johannes und Martha Klapp (Mitte) im Kreise der Familie vor ihrem Wohnhaus Kronenstraße 8. Das
Johannes und Martha Klapp (Mitte) im Kreise der Familie vor ihrem Wohnhaus Kronenstraße 8. Das © entstand vor dem Ersten Weltkrieg, etwa 1910. Foto: privat

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