Tierheim Wau-Mau-Insel will von Kreis-Kommunen mehr Geld für Fundtiere

Dauergast im Tierheim: Boxer Axel aus Söhrewald, etwa neun Jahre alt, wurde im Juli vergangenen Jahres in der Wau-Mau-Insel abgegeben.

Kreis Kassel. Das Kasseler Tierheim Wau-Mau-Insel will von Gemeinden im Landkreis mehr Geld für die Unterbringung von Fundtieren.

Grund: Katzen bleiben laut Karsten Plücker, Chef des Tierheims, viel länger auf der Katzenstation als in Vereinbarungen mit den Gemeinden kalkuliert sei. Pro aufgenommener Katze entstehe dadurch rein rechnerisch ein Defizit von rund 180 Euro, einigen 1000 Euro pro Jahr.

Wie groß das Minus tatsächlich ist, lässt sich wohl so leicht nicht sagen: Denn die Einzelvereinbarungen über die Kostenerstattung, die Plücker mit elf Gemeinden im Kreis geschlossen hat, sind unübersichtlich: Einige Gemeinden zahlen für längstens 30 Tage einen festen Tagessatz pro Fundtier, der wiederum für Katzen, Hunde und Kleintiere unterschiedlich ist. Andere Kommunen wiederum erstatten eine feste Pauschale.

Auch rechnet das Tierheim längst nicht alle Fundtiere mit den Gemeinden ab: Wenn der Besitzer seinen entlaufenen Hund oder seine Katze abholt, muss er persönlich für die aufgelaufenen Unterbringungs-, Futter- und Tierarztkosten aufkommen. Beispielsweise landeten vergangenes Jahr elf Katzen aus Vellmar in der Wau-Mau-Insel. Aber nur fünf hat Plücker der Stadt in Rechnung gestellt.

Wie dem auch sei: Der Leiter des Tierheims verweist darauf, dass alle Vereinbarungen mit den Gemeinden von einer maximalen Verweildauer von Katzen von 30 Tagen in der Mau-Mau-Insel ausgingen. Tatsächlich habe der durchschnittliche Aufenthalt 2014 aber 92 Tage gedauert. Seien die Katzen krank, könnten noch weitere nicht gedeckte Kosten wie Operationen hinzukommen.

„Hunde sind dagegen in der Regel kein Problem. Diese werden meistens schnell von ihren Haltern wieder abgeholt“, sagte Plücker. Ausnahmen gibt es jedoch auch bei diesen Vierbeinern. Beispielsweise wird ein etwa neunjähriger Boxerhund bereits seit vergangenem Juli in dem Tierheim versorgt.

Der Tierheimleiter will die Tagessätze für Katzen von 4,16 auf 5,50 Euro, für Hunde von 8,36 auf 10 Euro und für Kleintiere von 1,50 auf zwei Euro erhöhen. Die betroffenen Gemeinden sollen demnächst entsprechende Schreiben erhalten.

Auch sie ist schon über 90 Tage in der Wau-Mau-Insel: Katze Dinah aus Baunatal (rechts) wartet auf der Katzenstation seit Ende Dezember auf ihren Besitzer. Fotos: Dilling

Die Stadt Vellmar gibt sich auf Anfrage gesprächsbereit. „Wir sind froh, dass es die Unterbringungsmöglichkeit in der Wau-Mau-Insel gibt“, sagte Thomas Raffler von der Stadtverwaltung. Auf der Basis einer nachvollziehbaren Kalkulationsgrundlage könne man verhandeln. Pressesprecherin Astrid Kneuer schlägt dem Tierheim vor, sich bei der 40-Jahr-Feier Vellmars im Sommer zu präsentieren und bei den Bürgern um Unterstützung zu werben.

Heike Möller von der Gemeinde Fuldatal gibt sich zurückhaltend. Die Gemeinde zahle seit Jahren eine Pauschale an das Tierheim und habe den Eindruck, dass diese „auskömmlich ist“. Die Höhe wollte sie nicht nennen.

Söhrewalds Bürgermeister Michael Steisel zeigte sich von der Forderung Plückers überrascht. Erst vergangenes Jahr habe man mit dem Tierheim einvernehmlich eine Erstattungsvereinbarung getroffen.

Schlagworte zu diesem Artikel

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.