Ärger um Bäume: Diese Regeln gelten

Wenn Bäume für Nachbarschaftsstreit sorgen: Kasselerin befürchtet Umstürzen von hohen Kiefern

Imposant: Margrit Kister vor einer der Kiefern, die vom Nachbargrundstück herüberragen. Rechts im Hintergrund der Bungalow, in dem sie wohnt.
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Imposant: Margrit Kister vor einer der Kiefern, die vom Nachbargrundstück herüberragen. Rechts im Hintergrund der Bungalow, in dem sie wohnt.

Wenn es draußen stürmt, hat Margrit Kister ein mulmiges Gefühl. Denn unmittelbar hinter der Grundstücksgrenze zu ihrer Nachbarin stehen zwei mehr als 20 Meter hohe Kiefern.

Kassel - „Dort sind schon viele Äste herausgebrochen und die Bäume driften seit einiger Zeit immer mehr auseinander. Ich habe Angst, dass sie irgendwann auf mein Haus stürzen“, sagt die Frau, die an der Lerchenfeldstraße unweit der Hessenschanze wohnt. „Ich habe nichts gegen Bäume, aber ich würde mir wünschen, dass meine Nachbarin diese zurückschneiden lässt“, sagt Kister. Aber diese lehne das ab.

Mit Nachbarschaftsstreitigkeiten wie diesen muss sich die Untere Naturschutzbehörde der Stadt Kassel regelmäßig befassen. Fast täglich kämen Anfragen und Beschwerden, heißt es aus dem Rathaus. „Hierbei geht es oft um das Laub, Nadeln, Samen, Früchte und Zapfen, das Herüberwachsen von Ästen oder Wurzeln oder das Verschatten einer Fotovoltaikanlage“, so ein Sprecher. Zunehmend komme die Sorge vor umstürzenden Bäumen bei Stürmen hinzu.

Doch welche Rechte haben Anwohner eigentlich, wenn es um die Bäume der Nachbarn geht?

Sicherungspflicht

Die Stadt verweist in dem Zusammenhang auf die Verkehrssicherungspflicht. Danach hat der Grundstücksbesitzer dafür zu sorgen, dass keine Gefahren von den Bäumen auf seinem Grundstück ausgehen. „Er hat dies regelmäßig zu kontrollieren“, so ein Rathaussprecher.

Sollte er diese Kontrollen nicht durchführen und in der Folge ein morscher, kranker oder schwacher Baum auf das Grundstück des Nachbarn stürzen, muss der Eigentümer des Baums für den Schaden aufkommen. Bei einem Sturmschaden haftet in der Regel dessen Versicherung. Allerdings ist eine Haftung ausgeschlossen, wenn es sich um höhere Gewalt handelt. „Schäden, welche durch gesunde Bäume oder Äste entstehen, werden von den Gerichten als naturgegebenes Risiko eingestuft“, so der Stadtsprecher weiter.

Abstandsgebot

Im Fall von Frau Kister stehen die beiden Kiefern nur etwa zwei Meter hinter der Grundstücksgrenze. Ist dies zulässig? Im Hessischen Nachbarrechtsgesetz sind die Grenzabstände von Bäumen und Sträuchern geregelt. Für Kiefern gilt ein Abstand von zwei Metern. Bei anderen Arten (Linden, Platanen, Rosskastanie, Rotbuche, Stieleiche, Eiben) gelten vier Meter.

Der Anspruch eines Nachbarn auf Beseitigung von grenznahen Bäumen, die dichter als erlaubt an der Grenze stehen, besteht allerdings nur innerhalb der ersten fünf Jahre nach dem Anpflanzen. „Unabhängig vom Grenzabstand rechtfertigt das bloße Herüberwachsen und eine subjektive Empfindlichkeit der Betroffenen nicht automatisch einen Beseitigungsanspruch“, so der Rathaussprecher.

Baumschutzsatzung

Beim Zurückschneiden oder Fällen von Bäumen ist in Kassel zusätzlich die Baumschutzsatzung zu beachten. Für alle nach dieser Satzung geschützten Bäume gilt, dass die letztendliche Entscheidung über einen möglichen Rückschnitt oder die Fällung nach entsprechender Prüfung bei der Unteren Naturschutzbehörde liegt.

Von dieser Satzung geschützt sind Laubbäume und Ginkgobäume mit einem Stammumfang ab 80 Zentimetern und Nadelbäume mit einem Stammumfang ab einem Meter. Maßgebend ist der Umfang gemessen in einem Meter Höhe.

Nicht unter die Satzung fallen Obstbäume – mit Ausnahme von Walnuss, Baumhasel, Esskastanie und Speierling.

Position der Stadt

Die individuellen Probleme und Sorgen der Anwohner im Zusammenhang mit Bäumen würden ernst genommen, so ein Rathaussprecher. Gleichzeitig werbe das Umwelt- und Gartenamt für deren ökologische Bedeutung.

Der Erhalt von Bäumen sei ein wichtiger Beitrag für die Gesundheit und den Klimaschutz. (Bastian Ludwig)

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