Anwohner kämpfen um alte Scheune im Ortskern

Widerstand gegen Mehrfamilienhäuser in Kassel-Harleshausen

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Das landwirtschaftliche Anwesen an der Harleshäuser Kronenstraße steht seit Jahren leer: Offenbar soll für den Bau von Mehrfamilienhäusern auch die alte Fachwerkscheune (auf dem Foto die Rückseite) an der Grebenstraße abgerissen werden.

Harleshausen. Noch liegen die Pläne nicht auf dem Tisch. Aber Anwohner befürchten, dass die alte Scheune im Harleshäuser Ortskern für den Bau von Mehrfamilienhäusern weichen soll. 

Der Abbruch des Gebäudes in dem Kasseler Stadtteil war bereits beantragt, scheiterte jedoch an formalen Gründen. 

Was passiert auf der „Pferdewiese“ im alten Harleshäuser Ortskern? Diese Frage beschäftigt Anwohner, seitdem sie vom Verkauf des Grundstücks an der Ecke Kronen- und Grebenstraße erfahren haben. Wie sie hörten, sollen auf dem Gelände des ehemaligen Bauernhofs Mehrfamilienhäuser errichtet werden. Dafür soll auch die alte Scheune an der Grebenstraße 10 weichen.

„Das ist ein ungeheuerlicher Vorgang“, kritisieren Helmut Hartmann und Heinrich Range im Namen der Anwohner. Seit 1978 bereits bilden sie die Interessengemeinschaft Am Kirchhof, Greben- und Kronenstraße.

Früher Einzeldenkmal

„Wir werden uns entschieden für den Erhalt der Scheune einsetzen“, gibt sich die Anwohnergemeinschaft kämpferisch. Die „barocke“ Scheune stamme aus dem 18. Jahrhundert und sei früher als Einzeldenkmal deklariert gewesen. In neueren Plänen sei sie das nicht mehr und damit wohl zum Abriss freigegeben.

Tatsächlich gibt es Pläne zum Abbruch der Scheune. Ein Antrag zum Abriss sei aber Mitte Oktober „wegen fehlender Prüffähigkeit“ – sprich: unvollständiger Unterlagen – zurückgegeben worden, berichtet Stadtsprecher Michael Schwab. Die Scheune sei zunächst als Einzeldenkmal dargestellt worden. Dann habe die Denkmalschutzbehörde klargestellt, dass einzelne Gebäude keinen Status als Einzeldenkmal mehr besitzen und nur noch Teil des Flächendenkmals sind. Diese Einstufung sei im Bebauungsplan lediglich angepasst worden, so Schwab. Die Abrissgenehmigung obliege der Denkmalschutzbehörde.

Schon vor Jahren habe sich die Interessengemeinschaft bei der Bebauungsplanung für eine kleinteilige, dörfliche und maximal zweigeschossige Bebauung eingesetzt, betonen die Anwohner. Große Stadtvillen seien nicht erwünscht, da sie im Endeffekt durch das Staffelgeschoss drei Vollgeschosse hätten. Zudem befürchte man Verkehrsprobleme im engen Ortskern, berichtet Ortslandwirt Range.

Dörflicher Charakter

Nach Angaben von Stadtsprecher Schwab wurde der Bebauungsplan „Ortskern Harleshausen“ 2010 beschlossen. In dem Verfahren sei der Erhalt des dörflichen Charakters mit den Bewohnern erörtert und seien besondere Regelungen etwa zu Höhenbegrenzungen und Dachneigungen getroffen worden. Derzeit liegen weder ein Abbruchantrag für die Scheune noch Bauvoranfrage oder Bauantrag vor, erklärt Schwab. Doch habe es bereits Beratungen zum Planungsrecht gegeben.

Wer der neue Eigentümer ist und was er vorhat, dazu könne die Stadt (noch) keine Auskunft geben. Das Verfahren sei vertraulich zu behandeln, durch den Bebauungsplan bestehe bereits Baurecht. Schwab kündigte aber an, man werde „bei Vorlage eines Projektes und in Abstimmung mit der Bauherrschaft“ im Ortsbeirat darüber berichten.

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