Perspektiven finden in Harleshausen

Wohnen gegen „Scheißegal-Haltung“: Neues Heim für problematische Teenies

Sie freuen sich auf ihre Aufgabe: Peter Schade, Karoline Mischur und Tom Bindemann (von links) im noch nicht fertig sanierten Treppenhaus. Rund 170 000 Euro kostet die Renovierung des über 100 Jahre alten Hauses, in dem jeder Jugendliche ein eigenes Zimmer bekommt. Foto: Schachtschneider

Harleshausen. Ab März soll das über 100 Jahre alte Gebäude Jungen ab 14 Jahren in einer schwierigen Lebenssituation ein neues Zuhause bieten.

Noch werden in einem Hinterhaus im Ortskern von Harleshausen Leitungen und Fußböden verlegt, Wände geputzt und tapeziert sowie Bäder eingebaut.

Es ist ein in Kassel bislang einzigartiges pädagogisches Konzept, nach dem die Jungen in dem Wohnprojekt des Verbundes sozialpädagogischer Kleingruppen betreut werden sollen.

Das Projekt kann sich über eine kräftige Finanzspritze freuen: Wie die Deutsche Fernsehlotterie gestern miteilte, wird es 69.103 Euro für den Umbau und die Ausstattung des Hauses aus dem Topf der Soziallotterie geben.

In Harleshausen sollen junge Menschen einen Platz finden, die ein spezielles Angebot brauchen, weil es beispielsweise bislang nicht gelungen ist, sie in Wohngruppen zu integrieren. „Wir wollen ihnen helfen, eine eigene Identität zu finden und ein positives Selbstbild zu entwickeln“, erläutert der pädagogische Leiter Tom Bindemann. So baue man auf ein individuelles Konzept mit festen Bezugspädagogen, um den Jungen die Möglichkeit zu geben, eine stabile Beziehung zu entwickeln.

Oftmals hätten die jungen Menschen sich zurückgezogen, eine „Scheißegal-Haltung“ entwickelt, weil sie bislang keine verlässlichen Beziehungen, viele Brüche und menschliche Enttäuschungen erlebt hätten. Durch die Scheidung der Eltern, durch Umzüge oder Schulwechsel beispielsweise, erläutert Karoline Mischur, die die therapeutische Leitung der Einrichtung übernimmt. Es gehe für die jungen Leute auch darum, einen Sinn zu finden in dem, was man tut.

So hat das engagierte und durch ein intensives Bewerbungsverfahren ausgewählte Mitarbeiterteam auch viele Projekte geplant, um den Alltag der Jugendlichen sinnvoll zu gestalten, ihnen Orientierung zu geben und Wege aufzuzeigen. Der große angrenzende Garten wird dabei sicher eine Rolle spielen.

In das Haupthaus Wolfhager Straße 406 können anfangs bis zu sechs Jugendliche einziehen. Der ehemalige Blumenladen wird als Therapieraum genutzt. Und wenn die Räume der angrenzenden Tierarztpraxis 2016 frei werden, können insgesamt bis zu elf Jungen bis zum Alter von 21 Jahren hier wohnen. Jeweils zwei Jugendliche haben die Möglichkeit, in einer kleineren Einheit selbstständiges Leben zu erproben. Acht Mitarbeiter werden mit den jungen Leuten arbeiten. Rund um die Uhr wird mindestens einer von ihnen anwesend sein.

Am 14. Februar ist ein Aufbautag geplant, um die Räume einzurichten. Dazu und auch zu Kaffee und Kuchen sind ebenfalls die Nachbarn eingeladen. Denn auch wenn der Ortsbeirat das Projekt mitträgt und der Großteil der Nachbarn positiv eingestellt sei, gebe es auch Irritationen und Vorbehalte, weiß Projektleiter Peter Schade: „Wir wünschen uns, dass die Nachbarn bei Fragen auf uns zugehen.“

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