Zwei von drei Kasseler Betrieben mussten schließen

Klassische Bäcker verschwinden: Zwei von drei Betrieben mussten schließen

Kassel. Das Bäckerhandwerk ist im Umbruch: In den vergangenen 20 Jahren mussten Zweidrittel aller Kasseler Betriebe schließen. Nach Zahlen der Handwerkskammer gab es 1994 noch 45 Bäcker in der Stadt, die ihre Backwaren selbst herstellten.

2014 sind davon noch 17 übrig geblieben. Grund für die Entwicklung sei ein härterer Wettbewerb durch Filialisten, die nicht vor Ort herstellen und der Verkauf von Backwaren in Tankstellen und Kiosken, sagt der Obermeister der Bäcker-Innung, Bernd Riede.

Nach Zahlen des Gewerbeamtes werden aktuell in 108 Kasseler Geschäften Brot und Brötchen verkauft. Darunter fallen zwar auch die klassischen Bäcker mit ihren Verkaufsstellen, aber in der Mehrzahl sind es die Filialen der Bäckerei-Ketten sowie sonstiger Einzelhandel. Allein an der Friedrich-Ebert-Straße werden mittlerweile an 13 Bäckereitheken Backwaren verkauft.

„Zwei von drei Brötchen backt heute die Industrie. Nach und nach werden den inhabergeführten Bäckereien die Umsätze weggenommen“, sagt Innungsobermeister Riede. Um sich in dem Wettbewerb behaupten zu können, müssten sich die Kasseler Bäcker spezialisieren oder weitere Standbeine aufbauen wie einen Cateringservice, einen Snackbereich oder Café-Betrieb. Die Bäcker aus Kassel haben aus Sicht von Riede nur dann eine Chance, wenn sie ihre Regionalität und Qualität herausstellen.

Neben dem Konkurrenzdruck haben viele Bäcker und Konditoren Probleme bei der Nachfolgersuche. Matthias Streiter, Inhaber der Kasseler Bäckerei Streiter, glaubt, dass in den nächsten Jahre weitere Kasseler Kollegen aufgeben werden. Er selbst hatte in den vergangenen Jahren weitere Geschäfte eröffnet, um näher an den Kunden zu sein.

Auch Andreas Becker von der Bäckerei Becker betreibt mehrere Verkaufsstellen. Wie Streiter sieht er seine Chance in der Produktqualität.

Von Bastian Ludwig

Rubriklistenbild: © picture-alliance/ dpa

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