Machtkampf

Streit in Kasseler SPD eskaliert: Fraktionschef Hartmann tritt zurück

SPD-Parteichef Ron-Hendrik Hechelmann (links) und Fraktionschef Patrick Hartmann am Wahlabend
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Da saßen sie noch zusammen: SPD-Parteichef Ron-Hendrik Hechelmann (links) und Fraktionschef Patrick Hartmann verfolgen am Wahlabend den Eingang der Ergebnisse. Nun legt Hartmann den Vorsitz nieder.

Wegen des nach der Wahl entbrannten Machtkampfs in der Kasseler SPD zieht der Spitzenkandidat Konsequenzen. Patrick Hartmann tritt als Fraktionsvorsitzender zurück.

Kassel – Die SPD in Kassel steht vor der Zerreißprobe. Der Streit zwischen dem linken und rechten Flügel in der Stadtverordnetenfraktion eskaliert. Patrick Hartmann hat wegen der internen Querelen überraschend seinen Fraktionsvorsitz niedergelegt.

Erstmals ist die SPD in der Kasseler Stadtverordnetenversammlung nur zweitstärkste Fraktion hinter den Grünen. Sie hat 17 Sitze, fünf weniger als in der letzten Wahlperiode. Nach dem enttäuschenden SPD-Ergebnis bei der Kommunalwahl war Hartmann, der dem rechten Flügel angehört, zu Beginn der Wahlperiode Ramona Kopec als Co-Fraktionschefin zur Seite gestellt worden. Der linke SPD-Flügel, als dessen Wortführer Norbert Sprafke gilt, hat damit den Machtkampf zunächst für sich entschieden.

Offenbar haben die SPD-Linken nun eine klare Mehrheit in der Fraktion, die sie bei inhaltlichen und personellen Fragen auch deutlich zum Ausdruck bringen. Patrick Hartmann, dem als Spitzenkandidat die Hauptschuld für das schlechte Wahlergebnis angelastet wird, soll bereits in der konstituierenden Fraktionssitzung vor die Wahl gestellt worden sein, entweder Kopec als Co-Vorsitzende zu akzeptieren oder aber ganz als Vorsitzender abgewählt und durch Anke Bergmann ersetzt zu werden.

Patrick Hartmann bestätigte am Mittwoch, dass er seinen Fraktionsvorsitz niedergelegt hat. Zu den Gründen will er sich nicht äußern. „Eine weitere Stellungnahme gebe ich hierzu nicht ab“, sagte Hartmann, der Stadtverordneter bleiben will und zudem hauptamtlicher Fraktionsgeschäftsführer ist.

Auf Anfrage zeigten sich Parteichef Ron-Hendrik Hechelmann und Fraktionschefin Ramona Kopec von Hartmanns Rücktritt völlig überrascht. Sie sehe keine Gründe für diesen Schritt, meinte Kopec.

Nach HNA-Informationen soll der Streit zwischen Linken und Rechten in der SPD-Fraktion zuletzt bei der Frage eskaliert sein, welche Sozialdemokraten in der neuen Wahlperiode welche Gremien (etwa im Zweckverband Raum Kassel) besetzen sollen. Über Hartmanns Vorschlag habe sich Kopec einfach hinweggesetzt, hieß es aus Fraktionskreisen. Folgen hat der SPD-Streit auch für die laufenden Koalitionsverhandlungen mit den Grünen. Hartmann sitzt ab sofort als Verhandler nicht mehr mit am Tisch.

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