10 Jahre Arbeitsmarktreform: Ein Drittel weniger Empfänger

Hartz IV: Kassel hat rote Laterne abgegeben

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Kassel. In den zehn Jahren seit der Regierungserklärung zur Agenda 2010 und der anschließenden Umsetzung der Hartz-Gesetze hat sich die Zahl der Leistungsempfänger in Kassel deutlich reduziert – im Vergleich zu Spitzenzeiten um ein Drittel.

Gehörte Kassel 2006 noch zu den deutschen Städten mit dem höchsten Anteil von Arbeitslosengeld-II-Beziehern (ALG II), hat es die rote Laterne längst abgegeben. Ursache für die positive Entwicklung sei der stabile Arbeitsmarkt, der auch nicht und gering Qualifizierten einen Jobeinstieg ermöglicht habe, sagt Detlev Ruchhöft, Leiter des Kasseler Jobcenters.

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Im Januar 2005, als Hartz IV zwei Jahre nach der Regierungserklärung tatsächlich in Kraft trat, lebten in Kassel 27.250 Menschen von der Unterstützung. Ein Jahr später stieg ihre Zahl sogar bis auf 30.800. Neben den Erwerbsfähigen sind in dieser Zahl auch die Kinder und Partner, die nicht erwerbsfähig sind, mitgerechnet.

Damals waren 16 Prozent der Kasseler Bevölkerung auf die staatliche Leistung angewiesen, sagt Ruchhöft. Mit Städten wie Bremerhaven und Kiel habe Kassel seinerzeit die rote Laterne getragen. Die finanziellen Auswirkungen waren deutlich: Im Jahr 2006 zahlte das Jobcenter noch über 130 Mio. Euro aus.

Seitdem sank die Zahl der ALG-II-Empfänger auf aktuell 20 807. Damit sind noch 10,4 Prozent der Kasseler abhängig von der Stütze, für die das Jobcenter 2012 etwa 95 Mio. Euro aufwendete – 35 Mio. Euro weniger als sechs Jahre zuvor.

Der Hartz-IV-Empfängeranteil liegt im hessenweiten Schnitt mit 6,6 Prozent zwar unter dem Kasseler Wert, aber dies liegt auch daran, dass in Städten der Anteil in der Regel höher ist. In Offenbach leben fast 15 Prozent der Einwohner von Hartz IV - landesweit der höchste Wert. In Frankfurt liegt der Anteil bei zehn Prozent. Im Landkreis Kassel sind 11.032 Menschen (4,7 Prozent) auf die Unterstützung angewiesen.

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