Bloggerin Kim Arens alias Kiamisu 

Hass-Kommentare im Netz: Das mulmige Gefühl beim Blick ins Postfach

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Als Bloggerin und Influencerin erfolgreich: Trotzdem wird die Baunatalerin Kim Ahrens alias Kiamisu im Netz auch beleidigt.

Polizisten werden beschimpft, Rettungskräfte behindert: Ein höflicher Umgang wird seltener. Auch Bloggerin Kim Ahrens macht im Netz negative Erfahrungen.

Wenn Kim Ahrens auf ihren Youtube-Kanal schaut, hat sie jedes Mal ein mulmiges Gefühl. Die Baunatalerin ist als Mode-Bloggerin Kiamisu erfolgreich. Ihr meistgesehenes Video heißt „Smokey Eyes Tutorial“ und hat fast 600.000 Klicks, aber unter dem Clip standen auch einige böse Kommentare. Ihr Schmink-Stil sehe „nach Karneval aus“ und sei „schwul“, schrieben dort User. Einer meinte: „Du siehst aus, als willst du auf eine Vampir-Party gehen.“

Ahrens hat die Reaktionen der Hater, wie Hass-Schreiber im Netz heißen, schnell gelöscht. Auf ihrem Blog antworte sie den Kritikern unter der selbstironischen Überschrift „Ich bin schwul und gehe auf Vampirpartys“. In dem Text gestand sie: „Ich hasse das rote Neuigkeitensymbol.“ Ein neuer Kommentar kann immer auch der nächste Hass-Beitrag sein.

"Bei Facebook ist es am schlimmsten"

Je erfolgreicher jemand im Internet ist, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, Opfer von Cybermobbing und Hate Speech zu werden. Und Ahrens ist als Influencerin sehr erfolgreich. Auf Instagram folgen der 28-Jährigen mehr als 30.000 Menschen. In dem Foto-Netzwerk und auch auf ihrem Blog erhält sie jedoch fast nur positive Kommentare, wenn sie etwa von der Berliner Fashion Week berichtet oder auch einfach nur Lesetipps für den Sommer gibt. Anders verhält es sich im größten sozialen Netzwerk. „Bei Facebook ist es am schlimmsten. Egal, was du postest, es kommen immer doofe Reaktionen“, hat Ahrens festgestellt. Eine Erklärung dafür hat sie nicht.

Dabei will sie nicht nur gelobt werden: „Es gibt auch Kritik, die einem weiterhilft, gut gemeinte Ratschläge.“ Oft hat man jedoch das Gefühl, dass ein großer Teil des Netzes vor allem aus Beleidigungen besteht. „Das Internet ist Fluch und Segen zugleich“, sagt Kiamisu, die sich nicht nur in der digitalen Welt Spott ausgesetzt sah.

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Mobbing in der Schulzeit

Schon als schlanker Teenager wurde sie auf dem Schulhof gemobbt. Sie sei magersüchtig, hieß es. Besser wurde es erst, als sie auf die Kasseler Lichtenbergschule wechselte. Als unsere Zeitung später ein Porträt über sie veröffentlichte, schrieben Leser auf HNA.de, Ahrens habe ein „Allerweltsgesicht“. Und für Blogger würde sich ohnehin niemand interessieren.

Kiamisu war damals auf Malaysia und ziemlich geschockt. Auf ihrem Blog antwortete sie den Kritikern: „Ihr habt der Welt gezeigt, dass euer Charakter durchzogen ist von Feigheit, Neid, mittelmäßiger Intelligenz, fehlender Empathie und großer Abneigung euch selbst gegenüber.“ Am Ende fragte sie ihre Leser, ob sie vielleicht zu hart gewesen sei. Eine Anna antwortete: „Ich finde, zu Hatern kann man gar nicht zu hart sein.“

Es kann aber auch helfen, Menschen anzusprechen, die einen niedermachen. Entweder in einer privaten Nachricht oder im analogen Leben. Erkennt Ahrens einen der Hater zum Beispiel auf einer Veranstaltung, fragt sie ihn manchmal, warum er sie so doof finde: „Dann sind die meisten krass anders und machen eine 180-Grad-Kehrtwende.“ Denn jetzt haben sie ein mulmiges Gefühl.

Kim Ahrens alias Kiamisu (28). Beruf: Mode-Bloggerin und Influencerin. Ausbildung: Abitur am Lichtenberg-Gymnasium. Ahrens studiert in Kassel noch Kunstwissenschaften und Germanistik und arbeitet als Selbstständige in einem Büro in der Friedrichstraße, das sie mit ihrem Freund gemietet hat. Privates: Lebt in Baunatal. www.kiamisu.de

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