Nach Einsatz in Unterkunft wird gegen Beamten ermittelt

Hat Polizist in Kassel Flüchtling geboxt?

Ort des angeblichen Geschehens: In der Erstaufnahme Niederzwehren soll ein Polizist einem Flüchtling mit der Faust ins Gesicht geschlagen haben.
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Ort des angeblichen Geschehens: In der Erstaufnahme Niederzwehren soll ein Polizist einem Flüchtling mit der Faust ins Gesicht geschlagen haben.

Bei einem Einsatz in einer Kasseler Flüchtlingsunterkunft soll ein Polizist einen Asylbewerber heftig geschlagen haben. Eine Zeugin ist jetzt noch entsetzt. Gegen den Beamten wird ermittelt. 

Auch mehr als einen Monat später ist Sabine Zeltinger immer noch „absolut schockiert“ über das, was in der Nacht zum 4. April in der Flüchtlingsunterkunft Niederzwehren passiert sein soll.

Ein Polizist soll einen Asylbewerber ohne Grund mit der Faust ins Gesicht geschlagen haben. So erzählt es Zeltinger, die eigentlich anders heißt, ihren Namen aber nicht in der Zeitung lesen will. Sie war damals Zeugin und hat gegen den Beamten Anzeige erstattet.

Der war gegen Mitternacht mit Kollegen „zur Unterstützung einer Rettungswagenbesatzung gerufen worden“, wie ein Polizeisprecher bestätigt. Bei der medizinischen Versorgung eines alkoholisierten Mannes sei es „wegen dessen renitenten Verhaltens zu Problemen gekommen“. Laut Zeltinger war der junge Mann aus Afrika lediglich verbal aggressiv. Seine Wunde am Kopf sei wohl Folge eines Sturzes gewesen. Sie hätte eigentlich genäht werden müssen. Doch der Mann habe sich gewehrt.

Weil das Thermometer Temperaturen um den Gefrierpunkt anzeigte, habe man den Flüchtling nicht vor die Tür setzen wollen.

Darum habe man die Polizei gerufen. Einer der alarmierten Beamten habe gleich gefragt: „Warum liegt der Mann noch nicht am Boden? Warum tritt noch niemand auf ihn drauf?“ Dann habe er dem Verletzten ohne Vorwarnung mit der Faust ins Gesicht geschlagen. Keiner seiner Kollegen habe etwas gesagt.

„So eine Aggressivität habe ich noch nicht erlebt. Dabei ging von dem Flüchtling zu keiner Zeit eine Gefahr aus“, sagt Zeltinger. Die Wunde, die das Opfer durch den Schlag erlitt, sei auf Fotos dokumentiert. Laut einem Polizeisprecher wurde der Mann von Beamten des Reviers Süd-West anschließend zur Ausnüchterung in Gewahrsam genommen. Ein Arzt habe den Flüchtling untersucht. Zu dessen Gesundheitszustand macht der Sprecher keine Angaben.

Am nächsten Morgen dann sei der Mann entlassen worden. Gegen ihn wird nun wegen Beleidigung ermittelt. Er soll die drei Beamten „mehrfach verbal und durch Tätlichkeiten angegangen haben“, wie es bei der Polizei heißt.

Gegen einen der Beamten werde nach der Anzeige wegen des Verdachts der Körperverletzung ermittelt. Mehr wollte die Polizei zu dem Fall nicht sagen. Die Staatsanwaltschaft kann derzeit noch keine näheren Angaben zum Verfahren machen.

Zeltinger befürchtet, dass die Ermittlungen ohne Ergebnis bleiben. Sie weiß, dass Ermittlungen gegen Beamte zu 93 Prozent eingestellt werden, wie die bislang größte Studie zu Polizeigewalt in Deutschland im vorigen Jahr ergab. Darin stellten die Forscher auch fest, dass nur wenige Betroffene Anzeige erstatten, weil sie glauben, dass Polizisten „bei einer Strafanzeige nichts zu befürchten hätten“.

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