Die Amateurfunker vom Radioklub Cassel feiern heute ihren 90. Gründungstag

„Da hat’s bei mir gefunkt“

Funker aus Leidenschaft: Pressewart Hein Buchheit, Vorsitzender Jan Kesten und sein Stellvertreter Hendrik Spiewok kennen sich auch mit der Technik bestens aus. Foto: Naumann

Kassel. Als sich am 5. Februar 1924 der „Radioklub Cassel“ gründete, ahnte noch niemand, dass 90 Jahre später fast jeder ein Smartphone mit sich herumtragen würde.

Tatsächlich ist die Funktechnik heute allgegenwärtig. Radio, Fernsehen, Handy – all das funktioniert nicht ohne die unsichtbaren Funkwellen, und ohne die entsprechende Sende- und Empfangstechnik. Und wahrscheinlich wäre all das heute immer noch nicht so normal, wenn es nicht die weltweit etwa 2,8 Millionen Amateur-Funker gäbe.

Und so zeigen sich zum 90-jährigen Bestehen der organisierten Hobby-Funker-Szene in Kassel die Funkamateure selbstbewusst. Rund 100 Mitglieder zählt der Ortsverband Kassel F12 heute. Zwar ist der Radioklub Cassel längst im Deutschen Amateur-Radio-Club (DARC) aufgegangen, doch das ändert nichts an der Sache. Alle Funker sind leidenschaftliche Bastler und Tüftler – wie schon ihre Mitstreiter damals in den 1920er Jahren, als die Radiotechnik langsam ihren Siegeszug antrat.

Forschende Amateure

„Technische Fortschritte im Laufe der Jahrzehnte sind vor allem Hobby-Funkern zu verdanken“, sagt der heutige DARC-Vorsitzende Jan Kesten und blickt dabei nicht nur auf Kassel. Weltweit profitiere die Industrie von den Ideen der Amateure. So würden auch dem DARC noch regelmäßig Neugeräte zum Testen geschickt. Neuester Trend: die digitale Funktechnik. Der DARC-Ortsverband Kassel ist hier inzwischen führend.

Kesten ist, wie auch seine Vereinsfreunde Hendrik Spiewok und Hein Buchheit, geprüfter und lizensierter Funker. Mit Leichtigkeit reden die drei über Spulen, Frequenz-Bänder, Schwingkreise, Dioden und Kondensatoren. Sie alle haben entsprechende Bücher gewälzt, eine spezielle Ausbildung absolviert und sind von der Bundesnetzagentur geprüft worden. „Ich habe mich gut neun Monate auf all das vorbereitet“, sagt Spiewok. Seit zwei Jahren darf er Funkgeräte selbst bauen und natürlich funken – bis in den hintersten Winkel der Erde.

„Beim DARC gibt es verschiedene Fraktionen“, sagt Kesten. Es gibt jene, die wollen einfach nur kommunizieren, es gibt jene, die seltene Funkkontakte wie Briefmarken sammeln, und es gibt die, die Funkexpeditionen in ferne Länder unternehmen, um dort ihre Technik auszuloten.

Funken bis ans Ende der Welt

Kesten selbst sieht sich eher als Bastler. Neulich hat er mit geringster Sendeleistung Kontakt mit einem Funker ganz im Osten Russlands gehabt – rund 15 000 Kilometer entfernt. Oder er versieht einen Kleincomputer mit einer Antenne ohne Sendeverstärker, und weist damit nach, dass selbst die Rechenoperationen eines Mikroprozessors noch 2000 Kilometer entfernt empfangen werden können. „Wir sind Grenzgänger“, sagt Kesten. „Wir schauen ständig, was technisch machbar ist“.

Und er ist sich sicher, dass sich das auch in den nächsten 90 Jahren nicht ändern wird.

Von Boris Naumann

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