Erinnerung bleibt bisher fast unsichtbar

Im Hauptbahnhof soll Gedenkstätte für deportierte Nazi-Opfer entstehen

Viele gehen achtlos vorbei: Das 1993 von Künstler Horst Hoheisel geschaffene Mahnmal für die Deportierten (vorn rechts) wird von flüchtigen Betrachtern für ein Dienstfahrzeug der Bahn gehalten. Foto:  Schwarz

Kassel. Vom Gleis 13 des Kasseler Hauptbahnhofs wurden während der Naziherrschaft mehr als 1000 jüdische Einwohner des Bezirks Kassel in Konzentrationslager deportiert. Der Ort dieses Geschehens soll im Kulturbahnhof besser sichtbar gemacht und als Gedenkstätte gestaltet werden.

Einem entsprechenden Vorstoß der Grünen haben sich alle Fraktionen des Stadtparlaments angeschlossen.

Im Bahnhof nahe dem damaligen Gleis 13 steht seit 1993 ein Mahnmal des Künstlers Horst Hoheisel, das aus einem Gepäcktransportkarren der Bahn gefertigt ist. Dieses Kunstwerk am Rand der Halle falle aber vielen Passanten kaum auf, sagte Helga Weber, kulturpolitische Sprecherin der grünen Rathausfraktion. Es gehe darum, „den eigentlichen Ort, von dem die Transporte ausgingen, mittels einer angemessenen Gestaltung sichtbar zu machen“. Die Grünen schlagen vor, die Arbeit Hoheisels in ein solches Gedenkstätten-Konzept „würdig einzubeziehen“.

Derzeit gingen die meisten Bahnhofsnutzer achtlos an dem Mahnmal vorbei, das von flüchtigen Betrachtern leicht mit einem Dienstfahrzeug der Deutschen Bahn verwechselt werden kann. Nur während der documenta im Sommer 2012 lenkte das Kunstwerk „Alter Bahnhof Video Walk“, das zu selbstständigen Bahnhofsrundgängen nach Anleitungen auf einem kleinen mobilen Bildschirm animierte, 100 Tage lang etwas mehr Aufmerksamkeit auf das Objekt und sein Anliegen. „

Bedauerlicherweise gibt es keinen weiteren angemessenen Hinweis oder eine Gedenktafel, die auf die Bedeutung dieses Ortes verweisen“, heißt es in dem gemeinsamen Antrag der Fraktionen zur nächsten Sitzung des Stadtparlaments am Montag, 27. Januar. (asz)

Von Axel Schwarz

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