Sie wollten das große Geschäft machen

Millionen-Diebstahl in VW-Werk: Nur Haupttäter muss in Haft

Wertvoller Schrott: Auf dem Archivfoto zerlegt ein VW-Mitarbeiter in Kassel einen gebrauchten Katalysator. Bei dem Verfahren werden Edelmetalle wie Platin, Palladium und Rhodium zurückgewonnen.

Kassel. Fünf Männer hatten zwischen Februar und November 2008 mit Abfall aus dem VW-Werk das große Geschäft machen wollen. Eine Zeit lang ging das auch gut, doch dann flog die Sache auf. Jetzt wurden sie vor dem Landgericht zu Bewährungs- und Freiheitsstrafen verurteilt.

Wegen der langen Verfahrensdauer werden allen fünf Angeklagten jeweils vier Monate als vollstreckt angerechnet. Ursprünglich waren vor der 1. Strafkammer des Landgerichts acht Männer angeklagt gewesen, die Verfahren gegen drei von ihnen wurden abgetrennt, darüber wird separat verhandelt.

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Über elf Tonnen edelmetallhaltigen Keramikstaubes aus der Kasseler Katalysatoren-Recyclingabteilung des VW-Werkes in Baunatal hatte das Quintett beiseitegeschafft und verkauft. Denn der sogenannte Monolithenbruch enthält wertvolle Metalle wie Platin, Palladium oder Rhodium. Der Schaden, der dem Unternehmen durch den Diebstahl entstanden ist, beläuft sich auf etwa eine Million Euro. VW klagt zivilgerichtlich auf Wiedergutmachung.

Alle Angeklagten hatten die Taten gleich zu Beginn des Prozesses eingeräumt. Ein 31-jähriger ehemaliger Mitarbeiter der Recyclingabteilung hatte mit einem 39-Jährigen, gegen den der Prozess noch ansteht, das Material aus dem Werk geschafft. Er kam am Mittwoch mit 21 Monaten davon, die zur Bewährung ausgesetzt werden, außerdem muss er 2500 Euro an den Verein Zirkutopia zahlen.

Wie sich im Laufe des Prozesses offenbart hatte, gab es in dem Recyclingbetrieb auf dem Henschel-Gelände im Jahr 2008 kaum Sicherheitsvorkehrungen. So wurde eine Videoüberwachung erst nach den aufgeflogenen Diebstählen installiert. Die vier Helfer des 31-jährigen Ex-Mitarbeiters, die entweder Kontakte zu Abnehmern hergestellt, beim Zwischenlagern, Verladen oder beim Transport geholfen hatten, kassierten Strafen zwischen neun Monaten auf Bewährung sowie zwei Jahren und sechs Monaten ohne Bewährung.

Weitere Angeklagte stehen demnächst vor Gericht. (pas)

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