Mönch Phra Patiphan Thongchan möchte Gebetsstätte einrichten - Finanzierung über Spenden

Ein Haus für Buddha in Kassel

Betet derzeit in Wehlheiden: Der thailändische Mönch Phra Patiphan Thongchan (36) möchte in Kassel eine buddhistische Gebetsstätte gründen. Dafür soll über einen Verein ein Haus gekauft werden. Vorn im Bild ist die Opferschale zu sehen, in der die Mönche Essen sammeln. Foto: Rudolph

Kassel. Wenn er mit seinem safrangelben, leicht schimmernden Gewand auf einer Bank am Park Schönfeld oder in der Aue im Schneidersitz hockt, zieht er die Blicke an: Phra Patiphan Thongchan ist ein Mönch aus Thailand und lebt zurzeit in Kassel. Der 36-Jährige, der seit einigen Jahren in Europa unterwegs ist, möchte hier mit anderen Gläubigen einen buddhistischen Tempel einrichten.

In den kommenden drei Monaten – der Regenzeit Vassa, in der die Mönche der Tradition gemäß an einem Ort bleiben – möchte Patiphan Thongchan den Plan in Kassel vorantreiben. Die Idee sei, einen Verein zu gründen und ein Haus zu kaufen, in dem man die Gebetsstätte einrichten könne, erklärt die Baunatalerin Nawin Waschkewitz. Die 37-Jährige stammt aus Thailand und übersetzt für den Mönch, der bisher kaum deutsch und nur gebrochen englisch spricht. Finanziert werden solle der Tempel über Spenden.

In der Wohnung an der Steubenstraße in Wehlheiden, in der Phra Patiphan Thongchan seit Kurzem lebt, treffen sich bis zu einem Dutzend Gläubige, um mit dem Mönch zu beten und zu meditieren. Man wünsche sich aber eine richtige Gebetsstätte, sagt Waschkewitz. „Wir möchten, dass Phra Patiphan bleibt und unseren Kindern etwas über den Buddhismus beibringt.“ Deshalb solle er auch einen Sprachkurs belegen. „Hier in Kassel trifft er ja nicht nur Thai – zum Beispiel wenn er mal Straßenbahn fährt.“

Patiphan Thongchan, der seit zehn Jahren als Mönch lebt, gehört dem Theravada-Buddhismus an, einer Schultradition, die auf die ersten Anhänger Buddhas zurückgeht. Im Wohnzimmer seiner Wohnung hat er einen kleinen Altar eingerichtet, auf dem zwei Buddha-Figuren und immer frische Blumen stehen. In der großen Opferschale auf dem Tisch nimmt der Mönch Essensgaben an. Er darf nur essen, was ihm geschenkt, genauer gesagt geopfert, wird. Seine einzige Mahlzeit nimmt der 36-Jährige zwischen 11 und 12 Uhr ein.

Youtube und Facebook

Auch buddhistische Mönche leben im Zölibat. Besucherinnen darf Patiphan Thongchan die Hand nicht geben. Wenn eine Frau ihm etwas reichen will, muss sie es erst aus der Hand legen, bevor der Mönch es annehmen darf. Trotz dieser traditionellen Lebens- und Glaubensweise ist der Mönch aber auch ganz im 21. Jahrhundert zu Hause. Er schaut sich auf bei Youtube Videos von buddhistischen Lehrmeistern an, surft über seinen Tablet-PC im Internet und hat bei Facebook 1668 Freunde.

Kassel gefalle ihm gut, sagt der Mönch und lächelt. Die Wohnung hat ihm Wilfried Schütz zur Verfügung gestellt, dessen Lebensgefährtin aus Thailand stammt. Er sei zwar kein Buddhist, sagt der 66-jährige Kasseler. „Aber ich bete mit und interessiere mich für die Lehren Buddhas.“ Um mehr Menschen mit der fremden Kultur vertraut zu machen, plane man ein Thai-Fest im Herbst in Waldau.

HINTERGRUND

Von Katja Rudolph

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