Durchsuchungen gehen am Donnerstag weiter

Ermittlungen gegen K+S in Kassel: Verdacht illegaler Abfallentsorgung

Kassel/Philippsthal. Am Mittwoch hat es eine Hausdurchsuchung bei K+S in Kassel und im Werratal gegeben. Es geht um den Verdacht, dass Kaliabwässer unerlaubt versenkt worden sind.

Die Staatsanwaltschaft Meiningen und das Landeskriminalamt Thüringen ermitteln wegen des Verdachts des "unerlaubten Umgangs mit Abfällen" gegen die K+S Aktiengesellschaft. Dazu gehört auch eine Hausdurchsuchung derzeit in der Zentrale von K+S in Kassel und in K+S-Büros in Philippsthal und Unterbreizbach.

Aktualisiert um 18.24 Uhr.

Nach Informationen der HNA wurden auch die Privathäuser von Vorstandschef Norbert Steiner in Kassel und von Aufsichtsratsvorsitzendem Ralf Bethke in Rheinland-Pfalz durchsucht. Gesucht werden Dokumente, Dateien und Unterlagen, die die Vorwürfe bestätigen - nämlich "den unerlaubten Umgang mit Abfällen in einem besonders schweren Fall", wie die Sprecherin des LKA, Tina Büchner, sagt.

40 Polizei- und zivile Fahrzeuge säumten seit den Morgenstunden die Fahr- und Gehwege der Berta-von Suttner-Straße in Kassel. 150 Beamte waren um 8 Uhr angerückt, darunter Ermittler aus Hessen, Thüringen und Rheinland-Pfalz.

Durchsuchungen bis zum Abend

Die Durchsuchungen dauerten bis zum Abend. Ergebnisse gibt es bislang nicht. Die Beamten nahmen laut LKA Akten und elektronische Daten in Verwahrung. Aufgrund der Vielzahl an Unterlagen sollen die Durchsuchungen am Donnerstag fortgesetzt werden.

Video: Stellungnahme von Tina Büchner, Pressesprecherin des LKA Thüringen:

Lexikon-Wissen:

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Der Tatvorwurf richtet sich gegen 15 Verantwortliche der K+S Aktiengesellschaft sowie deren Tochtergesellschaften in Kassel, Unterbreizbach und Philippsthal sowie gegen Behördenvertreter aus Thüringen. Ausgangspunkt dieses umfangreichen und langjährigen Verfahrens ist eine Strafanzeige der Gemeinde Gerstungen von 2008. Seither laufe ein umfangreiches Verfahren, dessen Ende derzeit noch nicht absehbar sei.

Video: Stellungnahme von Michael Wudonig, Pressesprecher bei K+S:

Laut LKA besteht der Vorwurf, dass im Zeitraum von 1999 bis 2007 insgesamt 9,5 Millionen Kubikmeter salzhaltiges Abwasser, das bei der Kaligewinnung des Werks Unterbreizbach anfiel, in der "Gerstunger Mulde" versenkt wurde.

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Das war zwar vom Thüringer Landesbergamt erlaubt worden, dieses hat sich aber laut BKA in vier Genehmigungsbescheiden über Vorschriften zum Schutz des Grundwasser hinweggesetzt. Daher werde auch gegen zwei Mitarbeiter der Behörde ermittelt. Aufgrund der geologischen Beschaffenheit der Gerstunger Mulde musste von vornherein damit gerechnet werden, dass die versenkten Mengen an Salzlauge nicht wie angenommen in der Speicherformation „Plattendolomit“ verbleiben, sondern sich unkontrolliert ausbreiten.

Der Gerstunger Bürgermeister Werner Hartung teilte mit, die Gemeinde müsse sich aufgrund der Entsorgungspraxis von K+S und der in Hessen fortgeführten Versenkung von Kalilauge bis heute um das Trinkwasser sorgen. Die generelle Versenkung von Kalilauge schädige nicht nur das natürliche Grundwasser, sondern gefährde auch die Trinkwasserversorgung.

Hausdurchsuchung bei K+S in Kassel

K+S mit Sitz in Kassel - und mit mehr als 4000 Mitarbeitern der größte Arbeitgeber im Grenzgebiet von Hessen und Thüringen - teilte mit, der Konzern kooperiere in vollem Umfang mit den Ermittlungsbehörden. Zu den laufenden Ermittlungen wollte sich Unternehmenssprecher Michael Wudonig jedoch nicht äußern.

An der Durchsuchung nehmen neben Staatsanwälten aus Meiningen auch Beamte des Landeskriminalamtes Thüringen (TLKA) und der Kriminalpolizeiinspektionen aus Thüringen sowie der Bereitschaftspolizei Thüringen teil. Sie werden von Experten des Bundeskriminalamtes und externen Gutachtern unterstützt.

Übernahmekampf mit Potash

Der Dax-Konzern K+S steht derzeit im Übernahmekampf mit dem kanadischen Konkurrenten Potash. Potash hatte zuletzt 41 Euro je Aktie geboten. Die Kasseler haben dies als zu niedrig abgelehnt.

 

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