100-jähriges Jubiläum

Kurse, Lehrgänge und Tipps: Hausfrauenverband bringt System in die Familienarbeit

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Rundes Jubiläum: Seit 100 Jahren gibt es den Hausfrauenverband Kassel. Die beiden Vorsitzenden Brigitte Thiel (links) und Elke Meyer stehen hier in der neuen Lehr- und Versuchsküche der Verbandsgeschäftsstelle am Königsplatz. 

Kassel. Was macht eigentlich eine Hausfrau so den lieben langen Tag, während der beruflich stark eingespannte Gatte die Welt rettet? Die Vorstandsdamen vom Hausfrauenverband Kassel kennen solche Sprüche und unterschwelligen Wertungen zur Genüge. 

Wer da hauptsächlich an Kochen, Waschen und Putzen denke, beschreibe nur einen Teil der komplexen Aufgaben eines umfassenden Haushaltsmanagements, sagt Elke Meyer. Ihre Kollegin Brigitte Thiel weiß aber andererseits: Die weibliche Selbstbezeichnung „Hausfrau“ könne „manchmal auch eine Ausrede sein“.

Brief und Siegel fürs Wissen

Denn es geht um eine Tätigkeit, die nicht nur zeitlos notwendig ist, sondern so viel Sachkunde, Lernstoff und Erfahrungswissen bedingt, dass der 18-monatige Hauswirtschafter-Lehrgang mit einer Prüfung vor der Industrie- und Handelskammer endet und als Ausbildungsberuf anerkannt ist. Das schafft niemand bloß durch Schulbrote und Fischstäbchen, etliche Trommeln Wäsche und saisonale Deko-gestecke fürs Wohnzimmer.

Der Hausfrauenverband Kassel, der sein 100-jähriges Bestehen feiert, organisiert solche Ausbildungen. Die Absolventinnen – Männer sind seltene Ausnahmen – können damit etwa in Kantinen, Kindertagesstätten und Pflegeeinrichtungen eine Beschäftigung finden. Aber auch der eigene Haushalt, so die Erste Vorsitzende Thiel, sollte wie ein Betrieb betrachtet und mit entsprechender Systematik gemanagt werden: „Dadurch gewinnt man Zeit für sich und ist letztlich zufriedener.“ Die nötigen Fertigkeiten vermittelt der Verband in seiner Geschäftsstelle am Königsplatz durch Lehrgänge wie den „Haushaltsführerschein“, durch Koch- und Ernährungskurse, durch spezielle Hilfen für geldknappe Alleinerziehende und Migrantinnen, durch Ratgeberveröffentlichungen und Vorträge.

Keine öffentlichen Zuschüsse

63 Mitglieder hat der Kasseler Verband, darunter viele Hauswirtschafterinnen, die die Meisterprüfung abgelegt haben. Öffentliche Zuschüsse erhält der Hausfrauenverband nicht, er finanziert sich durch Lehrgangsgebühren, aus Einnahmen aus öffentlichen Koch- und Lebensmittelaktionen sowie bei den Kasseler Frühjahrs- und Herbstmessen, deren ideeller Träger der Hausfrauenverband seit den Anfängen ist. Bei vielen Kasselern habe sich für die Messen noch der alte Name „Hausfrauenausstellung“ eingeprägt, weiß Brigitte Thiel und freut sich darüber: „Das verschafft uns Bekanntheit. Und wer uns kennt, der weiß auch unsere Arbeit zu schätzen.“

Dass Arbeit im Haushalt vornehmlich Frauensache sei, dieses Lebensmodell ist heute längst nicht mehr so zementiert wie in früheren Jahrzehnten. Ist da der Name „Hausfrauenverband Kassel“ eigentlich noch zeitgemäß? Der Bundesverband nennt sich längst neutral „Netzwerk Haushalt – Bundesverband der Haushaltsführenden“. In diese Richtung werde es auch in Kassel gehen, sagt Brigitte Thiel, die seit 1996 Vorsitzende ist. „Aber unser Jubiläum feiern wir jetzt erst mal mit dem gewohnten Namen.“

Offene Türen und Stand auf der Herbstmesse 

Mit einem Tag der offenen Tür in seiner Geschäftsstelle am Königsplatz 36 begeht der Hausfrauenverband Kassel sein 100-jähriges Bestehen am Montag, 26. Oktober. In der Zeit von 10 bis 17 Uhr sind Besucher willkommen, es gibt Imbisse aus der neuen Versuchsküche, die bei dieser Gelegenheit erstmals öffentlich vorgestellt wird. Wie jedes halbe Jahr ist der Hausfrauenverband auch auf der Kasseler Herbstausstellung vertreten, die vom 31. Oktober bis 8. November in den Messehallen an der Damaschkestraße stattfindet. An dem großen Stand des Verbandes in Halle 5 steht täglich von 9.30 bis 18 Uhr das Jubiläum im Mittelpunkt.

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