Nachfrage größer als Angebot

Hauspreise in Kassel haben sich innerhalb von 10 Jahren verdoppelt

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Inzwischen ein beliebter Wohnort: Die Anziehungskraft von Kassel hat in den vergangenen Jahren zugenommen. Dies liegt auch an der guten Entwicklung des Arbeitsmarktes. Hier ein Bild der Innenstadt mit Königsplatz, Martinskirche und Entenanger.

Kassel. Der Kasseler Immobilienmarkt läuft weiter auf Hochtouren. Im vergangenen Jahr stiegen die Kaufpreise für Häuser und Eigentumswohnungen im Schnitt um sieben Prozent. Damit setzt sich der Preisanstieg der Vorjahre fort.

Seit 2007 haben sich die Preise für freistehende Einfamilienhäuser mit einem 90-prozentigen Anstieg fast verdoppelt. Weniger stark ging es zuletzt mit den Mieten aufwärts. Hier scheint eine Obergrenze erreicht, sagt Siegfried Putz, Sprecher des Immobilienverbandes Nordhessen (IVD), der die Daten jährlich analysiert.

Wegen der historisch niedrigen Zinsen, einer guten wirtschaftlichen Lage und einer wachsenden Beliebtheit Kassels, sei beim Thema Immobilienkauf kein Ende des Trends absehbar, erläutert der Immobilienexperte. Ein Einfamilienhaus mit 150 Quadratmetern ist laut Studie im Schnitt für 380.000 Euro zu haben. Wobei die Nachfrage größer sei, als das Angebot. Bei Eigentumswohnungen ist die Lage ähnlich. Selbst bereits vorhandene Wohnungen werden zwischen 1800 und 2200 Euro pro Quadratmeter angeboten.

Weil sich inzwischen viele Investoren aus ganz Deutschland und darüber hinaus in Kassel tummelten, treibe dies die Preise weiter an, ergänzt Alexander Alter, Vorsitzender des IVD Mitte. Bei mehr als der Hälfte der Immobilienkäufe gehe es um Kapitalanlagen und nicht um Eigennutzung.

So steht es um die Mietpreise

Bei den Mieten war die Entwicklung ähnlich: Bis vor zehn Jahren konnten sich die Kasseler über historisch niedrige Mieten freuen. Seit 2007 haben sich die Mietpreise für neu vermietete Wohnungen um 70 Prozent erhöht. Eine bestehende Wohnung liegt im Schnitt bei sieben Euro pro Quadratmeter. Erst 2017 hat sich die Entwicklung verlangsamt – der Anstieg lag bei drei Prozent. Auch die Zahlungsbereitschaft im oberen Preissegment sei ausgereizt, so Putz. Bei 13 Euro pro Quadratmeter sei auch bei sehr gut ausgestatteten Mietwohnungen Schluss.

Siegfried Putz

Auf dem Kasseler Mietwohnungsmarkt tut sich langsam aber sicher ein Missverhältnis auf: Auf der einen Seite gibt es viele hochwertige, großzügige Neubauwohnungen, die für Mieten von zehn bis 13 Euro pro Quadratmeter angeboten werden. „Gerade in diesem Segment haben wir mehr Angebot als Nachfrage. Gleichzeitig fehlen uns kleine, günstige Wohnungen mit 50 oder 60 Quadratmetern“, erläutert Siegfried Putz.

Der Immobilienexperte fordert mehr Wohnungsbau für eine Klientel mit kleinem und mittlerem Einkommen. Nach den jüngsten Zahlen seien im Jahr 2016 insgesamt 348 Wohnungen in Kassel gebaut worden. Dies seien viel zu wenig. „Schuld daran hat nicht die Stadt Kassel“, sagt Putz. Es fehlten Investoren, die sich im Wohnungsbau für das günstige und mittlere Preissegment engagierten. Im Jahr 2017 seien die Baugenehmigungen in Kassel aber um 28 Prozent zurückgegangen.

Neubauten günstig zu vermieten, sei aber gar nicht so einfach. Wegen der hohen gesetzlichen Anforderungen bei Neubauten – etwa beim Energiestandard – und der steigenden Handwerkerpreise, seien Mieten unterhalb von sieben oder acht Euro pro Quadratmeter kaum möglich. Hinzu komme, dass das knapper werdende Bauland immer teurer werde.

Selbst für eine neu vermietete, ältere Mietwohnung mit mittlerer Ausstattung werden durchschnittlich sieben Euro pro Quadratmeter fällig. Bei guter Ausstattung und Lage sind es 8,60 Euro. Wer es günstiger will, muss ins Umland ausweichen, wo die Preise 15 bis 20 Prozent niedriger sind. Ausgenommen ist der direkte Speckgürtel, wozu etwa Baunatal und Vellmar zählen.

"Eine Entspannung bei bezahlbaren Wohnungen ist nicht in Sicht. Es gibt in diesem Segment auch kaum freie Wohnungen", sagt Putz. Dies liege auch daran, dass die meisten Mieter einen Umzug scheuten, weil sie in der Regel in einer neuen Wohnung mehr zahlten.

Hinweis: Die vom IVD ermittelten Zahlen beziehen sich ausschließlich auf im Jahr 2017 neu vermietete und verkaufte Objekte. Dafür werden Makler in der Region befragt.

So groß sind die Kasseler Wohnungen

Hinweis: Auf dieser Karte können Sie mit einem Klick auf "Visible Layers" außerdem die Wohnungsarten sowie die Wohnfläche pro Einwohner anzeigen lassen. 

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