Kirchditmold: Ex-Häftlinge und Wohnungslose kommen nicht neben die Kita

Hausumbau sorgt für Ärger

Stein des Anstoßes: Angeblich sollten in der früheren alten Schule an der Zentgrafenstraße, die zurzeit saniert wird, 22 Kleinwohnungen entstehen, in die Straffällige und Wohnungslose einziehen. Nun sollen dort drei Wohnungen entstehen für Familien. Foto: Herzog

Kirchditmold. Der Umbau des unter Denkmalschutz stehenden Hauses Zentgrafenstraße 180 schlägt in Kirchditmold hohe Wellen: Gerüchte machten die Runde, dass in das frühere Schulhaus ehemalige Sträflinge und Wohnungslose einziehen und somit mitten im Ortskern ein sozialer Brennpunkt entsteht. In der Sitzung am Mittwochabend forderte der Ortsbeirat unter anderem die Stadt dazu auf, das Bauvorhaben unverzüglich zu stoppen sowie für die notwendige Sicherheit an der Baustelle zu sorgen.

Immerhin 60 Besucher taten ihren Unmut kund, darunter viele Mütter. Denn im hinteren Teil des Areals, im Angesicht der früheren Schule, befindet sich die Kita der evangelischen Kirche. Die Frauen äußerten die Sorge um das Wohl ihrer Kinder und befürchteten Belästigungen. „Der Konflikt ist programmiert“, sagte Elternbeiratsvorsitzende Kirsten Antenbring-Schmidt.

Außerdem kritisierten die Stadtteilbewohner vehement, dass dort seit Monaten ohne Genehmigung gebaut werde - und die Stadt Kassel nicht eingreife. Dazu Stadt-Pressesprecher Hans-Jürgen Schweinsberg: „Die Arbeiten sind gemäß der Bauordnung genehmigungsfrei. Und für die Arbeiten an der Fassade, am Dach und den Fenstern liegt eine Genehmigung des Denkmalamtes vor.“

22 Kleinwohnungen

Ursprünglich waren in dem Kulturdenkmal 22 Kleinwohnungen geplant. Doch die Bauaufsicht der Stadt Kassel hatte diesem Vorhaben einen Strich durch die Rechnung gemacht und die Aufteilung von drei Wohnungen vorgeschlagen - zwei im Erdgeschoss, eine im Obergeschoss. Nach Auskunft von Schweinsberg ist von dem Bauherrn, der Immobilienfirma Kruse in Lohfelden, ein Bauantrag für diese Nutzungsänderung gestellt worden.

Karl-Heinz Kruse, Chef der gleichnamigen Immobilienfirma, will nie daran gedacht haben, dass dort Sträflinge und Wohnungslose einziehen. Seit der Umplanung habe er die Dachgeschosswohnung für eine neunköpfige Sinti- und- Roma-Familie vorgesehen, die von der Schaustellerei lebe.

Die beiden unteren Wohnungen sollen an Hartz-IV-Familien vermietet werden. „Irgendwo müssen die sozial benachteiligten Menschen ja auch hin“, sagte er.

Kruse hat Mehrfamilienhäuser in Kassel und Göttingen. Nach Informationen der HNA werden in einem Haus an der Jakobsgasse in Bettenhausen Zimmer an Wohnungslose und ehemalige Straffällige vermietet.

Kruse kündigte an, dass er bis Ende April die ehemalige Schule wieder verkaufen werde: „An einen Arzt aus München.“

Von Beate Eder

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