Protestmarsch: 100 Demonstrantinnen beklagen unzureichende Versorgung

Hebammen schlagen Alarm

Hebammen in Bewegung: Kreisvorsitzende Heidi Heimbs (links, mit Päckchen in der Hand), Landesvorsitzende Gabriele Kopp (Bildmitte, mit orangefarbener Weste), Bundesfortbildungsbeauftragte Ute Petrus (zweite von rechts) und, neben ihr, Andrea Strube, stellvertretende Landesvorsitzende, sowie weitere Hebammen gingen anlässlich des Internationalen Hebammentages auf die Straße. Foto: Sommerlade

KASSEL. Ein Paar sterile Handschuhe, zwei Beruhigungspillen und ein Notfallplan – mit dem Verteilen von Notfall-Selbsthilfe-Päckchen für eine Geburt an Passanten machten am gestrigen Internationalen Hebammentag hundert Hebammen in der Kasseler Innenstadt auf die unzureichende Versorgung aufmerksam.

Mit Transparenten, Spruchbändern und einer gehörigen Portion Ironie starteten die Mitglieder des Landesverbands der Hessischen Hebammen unter dem Vorsitz von Gabriele Kopp ihren fünf Kilometer langen Protestmarsch vom Bahnhof Wilhelmshöhe bis ans Kasseler Rathaus.

„Das Notfall-Selbsthilfe-Päckchen ist für alle Situationen gedacht, in denen keine Hebamme gefunden wurde und das nächste Krankenhaus mit Geburtshilfe zu weit entfernt liegt“, erklärte Heidi Heimbs. Die Kreisvorsitzende spielte mit dem nicht ganz ernst zu nehmenden Verwendungszweck auf die Schließung zahlreicher Geburtshilfeabteilungen an. „In den vergangenen zehn Jahren wurde die Hälfte aller Kreißsäle geschlossen.“

In Kassel mache sich die Schließung der Geburtshilfeabteilung im Rot-Kreuz-Krankenhaus und die Zusammenlegung der entsprechenden Abteilung des Diakonissenkrankenhauses mit der Koch-Klinik besonders bemerkbar. „Wir wollen mit dieser Aktion erneut unseren Unmut und unsere Forderungen kundtun.“

Ja zur normalen Geburt

Der fünf Kilometer lange Protestmarsch stehe dabei symbolisch für die fünf gesundheitspolitischen Entwicklungsziele: „Wir fordern einen würdevollen Start ins Leben, ein bedingungsloses Ja zur normalen Geburt, die freie Wahl des Geburtsortes, bessere Arbeitsbedingungen und Hebammenhilfe für alle Frauen“, resümierte Kopp.

Seit Monaten warte man auf die Umsetzung der Zusagen, die Gesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) den Hebammen gegeben habe. „Wir werden nicht lockerlassen und weiter für das Recht einer guten geburtshilflichen Versorgung aller Frauen kämpfen“, betonte Heimbs.

Für den Gebrauch des Notfall-Selbsthilfe-Päckchens übernahm die Kreisvorsitzende übrigens keine Haftung: „Zu Risiken und Nebenwirkungen befrage man dann bitte einen Politiker des Vertrauens“, erklärte sie augenzwinkernd.

Von Martina Sommerlade

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