Sägewerksbetreiber steht vor Gericht

Hehlerei mit Holzpaletten?

Kassel. Mehrere Tausend Telefongespräche hatten die Ermittler mitgehört und mitgeschnitten. Doch die Mühe könnte vergeblich gewesen sein: Weil die entscheidenden Aufnahmen nicht den Weg in die Gerichtsakten fanden, musste der Prozess gegen einen Sägewerksbetreiber aus Witzenhausen am Dienstag vor dem Kasseler Amtsgericht auf unbestimmte Zeit vertagt werden.

Dem 54-Jährigen wird gewerbsmäßige Hehlerei vorgeworfen. Für seinen Palettengroßhandel, den er in Kassel betreibt, soll der Unternehmer billig Holzpaletten und Kisten gekauft haben, die zuvor anderswo gestohlen worden waren – was ihm auch bewusst gewesen sei. Angebahnt und organisiert habe die krummen Geschäfte der 63-jährige Leiter des Kasseler Lagers, sagte Staatsanwältin Ingrid Richter. Er sitzt darum ebenso mit auf der Anklagebank wie ein 33 Jahre alter Lkw-Fahrer des Betriebs, der die Hehlerware in einigen Fällen bei den Dieben abgeholt haben soll.

Verkaufswert 60 000 Euro

Insgesamt soll es um mehr als 2000 Paletten gehen, die im Jahr 2009 bei neun Diebstählen in Kleinostheim bei Aschaffenburg sowie im niedersächsischen Bad Gandersheim verschwunden waren. Verkaufswert: rund 60 000 Euro. Und das soll noch nicht alles gewesen sein: Ein weiteres Verfahren wegen ähnlicher Vorwürfe sei noch anhängig, erklärte die Staatsanwältin. Die Angeklagten aber zogen es beim Prozessauftakt vor, erst einmal zu schweigen.

Stattdessen verwies Rechtsanwalt Steffen Stern, der den Sägewerksbetreiber vertritt, auf die Lücken in den Gerichtsakten: Zwar gebe es eine CD mit „haufenweise Dateien“ von mitgeschnittenen Telefonaten. Die Gespräche, die sein Mandant geführt haben soll, seien aber nicht dabei. Die fänden sich nur auszugsweise als Abschriften. Und das reiche nicht aus.

„Ich weiß nicht, ob die Daten noch da sind.“

Ein als Zeuge geladener Polizist

Das sah auch das Gericht so: Nachdem der Kripo-Beamte, der die CDs erstellt hatte, bei der Suche nach den fehlenden Aufnahmen ebenso gescheitert war wie die Staatsanwältin, verkündete Richterin Focke die Aussetzung des Verfahrens. Erst wenn die vollständigen Aufzeichnungen der Telefonüberwachung aufgetaucht sind, soll die Verhandlung von Neuem beginnen.

Doch nicht nur wann das geschieht, ist offen, sondern sogar: ob überhaupt. Denn die Mitschnitte könnten nach mehr als zwei Jahren auch gelöscht sein: „Ich weiß nicht“, sagte der Polizist, „ob die Daten noch da sind.“

Von Joachim Tornau

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