Rumäne versprach einer 19-Jährigen das Liebesglück in Deutschland und zwang sie zur Prostitution

Am Heiligen Abend zur Hure gemacht

Kassel. Das jüngste Weihnachtsfest dürfte sich die junge Frau anders vorgestellt haben. Erst drei Tage zuvor war die 19-Jährige aus Rumänien nach Deutschland gekommen – jenem Mann hinterher, der ihr eine goldene gemeinsame Zukunft in der Fremde versprochen hatte.

Doch bereits am Heiligen Abend eröffnete ihr der 24-Jährige, dass das Geld leider alle sei und sie deshalb jetzt bitte schön auf den Strich gehen müsse. Am Dienstag wurde der Möchtegern-Zuhälter deshalb vom Kasseler Amtsgericht zu einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren verurteilt. Außerdem muss er seinem Opfer ein Schmerzensgeld von 5000 Euro zahlen.

Seiner Forderung verlieh der gelernte Bahnarbeiter nicht nur mit Worten, sondern auch mit einer Ohrfeige so wirkungsvoll Nachdruck, dass die Frau tatsächlich begann, sich zu prostituieren. Was man moralisch verwerflich und menschlich eine Schweinerei nennen könnte, heißt juristisch: „Menschenhandel zum Zwecke der sexuellen Ausbeutung in Tateinheit mit Körperverletzung“.

„Der Mangel an Geld und Arbeit hat mich dazu gebracht, das zu tun“, sagte der 24-Jährige in seinem Schlusswort und bat die Frau, die er gegen ihren Willen zur Hure gemacht hatte, um Verzeihung: „Es tut mir leid.“ Diese Sätze des Angeklagten waren auch die ersten, die er im Gerichtssaal selbst sprach. Zuvor hatte er das Reden seinem Verteidiger Peter Gros überlassen. Und der hatte für seinen Mandanten ein vorbehaltloses Geständnis abgelegt – ohne freilich mehr zu sagen als unbedingt nötig.

„Es ist alles so zutreffend wie in der Anklage beschrieben“, erklärte der Anwalt. Das heißt: In Rumänien hatte der Angeklagte die junge Frau über das Internet kennengelernt. Als sie über Probleme mit ihrer Familie klagte, schlug er ihr die gemeinsame Auswanderung nach Deutschland vor. Erst fuhr er, dann holte er sie zu sich – und nutzte aus, dass sie ihm hilflos ausgeliefert war: Sie konnte sich nicht verständigen. Und ihren Pass nahm er ihr ab.

Rund sechs Wochen ging die 19-Jährige anschaffen – zunächst in Frankfurt, später in Kassel. Erst Anfang Februar, nachdem sie für ihre Weigerung sich zu prostituieren erneut Schläge bezogen hatte, gelang der jungen Frau ein Hilferuf. Und die Polizei nahm ihren vermeintlichen Geliebten fest. Fast 50 Freier hatte sie bis dahin bedienen müssen, für 100 bis 300 Euro am Tag, die zu guten Teilen in die Taschen des 24-Jährigen flossen.

„Er hat es nicht überwacht, was sie eingenommen hat“, beteuerte Verteidiger Gros jedoch – offensichtlich bemüht, den Eindruck eines geplanten und professionellen Vorgehens zu zerstreuen. Auch auf die Frage, wo die guten Kontakte des 24-Jährigen zu Bordellen herrührten, blieben Anwalt und Angeklagter die Antwort darum lieber schuldig.

Von Joachim F. Tornau

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