Caldens Drehfeuer wies jahrzehntelang Piloten den Weg

Heimgeleuchtet

Letzte Reise: 43 Jahre arbeitete die Leuchte auf dem Tower, am Kranhaken schwebte sie nun herab.

Calden. Einen echten Technik-Schatz hat nach Ansicht der beteiligten Experten vor wenigen Tagen ein Autokran vom Tower des alten Flugplatzes in Calden geholt und auf einen Lkw verladen. Dieser transportierte das gesicherte Stück dann nach Kassel ins Technikmuseum in den ehemaligen Henschel-Werken, wo es bald ausgestellt werden soll.

Dabei war anfangs gar nicht klar, um welches Technikrelikt es sich bei der 1969 gebauten Drehleuchte der Firma Pintsch Bamag vom Typ Flughafen-Leuchtfeuer DL 150 mit der Seriennummer 69/103 handelte. Die letzten 34 Jahre wurde sie vom Flughafentechniker Wilfried Köhler gewartet, der quasi jede Schraube am Gerät auswendig kennt.

Karl-Ernst Graf Grote von und zu Schachten, selbst Flieger mit guten Erfahrungen bei der Erkennbarkeit der Caldener Leuchte, machte die Flughafenleitung auf den Wert der Anlage aufmerksam. Seit Inbetriebnahme des Caldener Flugplatzes 1970 war sie auf dem Dach des Kontrollturmes in Betrieb, bevor sie am 3. April 2013 mit Inbetriebnahme des mit LED-Blinklicht ausgerüsteten Towers am neuen Flughafen stillgelegt wurde.

Echter Technik-Schatz

Die Drehleuchte mit einer 1500-Watt-Birne und enormer Reichweite in zwei Richtungen stellte den Höhe- und zugleich Endpunkt dieser Leuchtfeuer-Technik dar. Die Kasseler Leuchte besitzt eine automatische Lampenwechseleinrichtung beim Ausfall einer Birne und ist mit sogenannten Fresnel-Linsen ausgestattet. Das sind im Prinzip in Ringe zerlegte Glaslinsen, die Gewicht und Volumen sparen. Graf Grote machte deutlich, dass solche Lampen gebraucht für bis zu 10 000 Euro gehandelt werden, und dann näherte sich auch die Flughafenleitung seiner Idee an, die Leuchte dem Kasseler Technikmuseum zu spenden, zu dessen Vorstand er gute Kontakte hat.

Einige Gespräche und Verhandlungen folgten. „Eine gute Idee. Im Prinzip hatten wir Ähnliches vor“, meinte der Technische Leiter des Flughafens Kassel-Calden, Jörg Weidemüller, als die Leuchte auf dem Dach des Towers demontiert und dann mit einem Kran verladen wurde, den die Firma Regel spendierte.

Im Kasseler Technikmuseum an der Wolfhager Straße könnte die Lampe schon ab November ausgestellt werden, etwa beim Dampftag am 28. November oder beim Museum am Abend am 29. November. Wenn die Restaurierung klappt, soll die Lampe möglicherweise 2015 auch wieder leuchten. Die Leuchtmittel werden allerdings seit 1982 nicht mehr hergestellt und alle hoffen, dass die Ersatzteile lange reichen.

Von Thomas Thiele

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