Zahlreiche Fotos sind erhalten

Kunst fürs Lichtspielhaus: Er malte die Kinostars für Kassel

Der Filmplakatmaler: Heinrich Eckhart Jäger in seinem Atelier über dem Kaskade-Kino am Königsplatz.

Kassel. Heinz Rühmann, Zsa Zsa Gabor, Senta Berger, Curd Jürgens, Hildegard Knef: Heinrich Eckhart Jäger hat sie alle gemalt. Der Kasseler (1912-1987) war als Maler und Grafiker für viele Kinos in der Stadt tätig.

Vom Operettenfilm über NS-Propaganda-Streifen bis hin zur Nachkriegskomödie – was in Kassels Kinos lief, wurde von Jäger auf großflächige Werbetafeln gebannt. Der gebürtige Frankfurter zog in den 1920er-Jahren zu seiner Verwandtschaft nach Melsungen. Dort machte er zunächst eine Ausbildung zum Maler, bevor er ab 1929 an der Kasseler Kunstgewerbeschule studierte. In den 1930er-Jahren arbeitete er beim damaligen Kino „Ton-Theater“ an der Bremer Straße/Ecke Artilleriestraße. 

Im Krieg zerstört: Das Palast-Theater an der Bahnhofstraße (heute Werner-Hilpert-Straße) war ein Kino.

Zahlreiche Fotos sind erhalten, die seine Filmplakate aus dieser Zeit zeigen. Die Schwiegertochter Christa Jäger (67) aus Kassel hat das Fotoalbum aufbewahrt und es für die aktuelle Sonderausstellung „Dein! Stadtmuseum“ zur Verfügung gestellt. 1940 wurde der Plakatmaler von der Wehrmacht eingezogen und in Frankreich stationiert. In der Bombennacht im Oktober 1943 kamen seine Frau und seine Tochter in Kassel ums Leben. Nur ein Sohn überlebte.

Exotik: Der amerikanische Naturfilm „Entfesseltes Afrika“ aus dem Jahr 1932 wurde auch im „Ton-Theater“ an der Bremer Straße gezeigt. Heinrich Eckhart Jäger malte die Werbung.

Als Jäger von der Front zurückkam, war nicht nur seine Familie zerstört, sondern auch Kassel und dessen Kinos. So lebte er zunächst wieder bei der Verwandtschaft in Melsungen. Er machte sich mit einem Werbeatelier selbstständig, heiratete wieder und bekam noch zwei Söhne. Darunter der Mann von Christa Jäger. Erst 1954 fand Jäger wieder eine Anstellung als Filmplakatmaler. Der Oberfranke Georg Reiss, der vor dem Krieg vor allem Lokale und Hotels in Kassel betrieben hatte, baute sein Kino-Imperium auf und suchte einen Werbeleiter. Jäger bekam den Job und so malte er ab 1954 für das neu gebaute Kaskade-Kino am Königsplatz und das Cinema-Kino gegenüber dem Rathaus. Später kamen weitere Reiss-Kinos hinzu. Überhaupt gab es vor wie nach dem Krieg in Kassel eine bunte Kinolandschaft von insgesamt rund 50 Lichtspielhäusern. „Es war die Zeit, als Filmvorführer die Kinorollen noch mit dem Fahrrad vom Hauptbahnhof abholten“, erzählt die Schwiegertochter.

Kinowerbung auf Kassels Straßenbahnen: Diese Bahn bemalte Jäger 1954 für den Film „Ännchen von Tharau“.

In den Fotoalben, die Jäger von seinen Arbeiten anlegte, sind nicht nur seine überdimensionalen Kinowerbungen zu sehen, die bis zu 36 Quadratmeter groß waren. Auch zahlreiche Autogrammkarten von Stars, die seinerzeit zu den Kinopremieren nach Kassel kamen, sind dort zu finden: Hildegard Knef, Mario Adorf, Pierre Brice, Roy Black. Auch den Besuch von Uschi Glas zur Kinopremiere von „Klassenkeile“ (1969) hat er mit seiner Kamera dokumentiert. Abgesehen von einer kurzen Pause war Jäger bis 1975 für die Reiss-Kinos tätig. 1987 starb der Kinomaler. Nun ist sein Erbe im Stadtmuseum ausgestellt. Der Beruf des Filmplakatmalers ist heute nicht mehr gefragt, wo Druckmaschinen problemlos große Plakate in Serie fertigen.

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