Aus nach 140 Jahren - 30 Mitarbeiter betroffen

Traditionsreiches Modehaus Heinsius & Sander schließt

Kassel. Eine Institution in der Kasseler Innenstadt schließt: In sieben Monaten soll der Geschäftsbetrieb des traditionsreichen Modehauses Heinsius & Sander an der Oberen Königsstraße eingestellt werden. Das teilte Inhaber Torsten Evers am Samstag mit.

Am Freitag seien die 30 Mitarbeiter in einer Betriebsversammlung informiert worden, sagt Evers. Das Modehaus war vor 140 Jahren am selben Standort gegenüber dem Kasseler Rathaus von Arthur Heinsius, dem Urgroßvater von Torsten Evers, eröffnet worden.

Auf Grund veränderter Wettbewerbsbedingungen seien die Ergebnisse des Unternehmens in den vergangenen Jahren nicht mehr zufriedenstellend gewesen, begründet Evers den Schritt. „Wir sind nicht pleite, aber zu der Einsicht gelangt, dass unser Geschäftstyp im Premiumbereich in einer Stadt wie Kassel keine Chance mehr hat.“ Die Geschäftsleitung sei auch nach umfangreicher Prüfung möglicher Optimierungen zu der Erkenntnis gekommen, dass aufgrund der aktuellen Lage eine positive Entwicklung des Unternehmens nicht wahrscheinlich sei.

Das Entstehen neuer Vertriebsformen, der demographische Wandel, der ehemals total unterschätzte Online-Handel, die zunehmende Selbstbedienung im Einzelhandel, das Entstehen immer neuer Outletcenter und die daraus resultierende düstere Prognose für den stationären Premium-Modehandel in Mittelstädten hätten die Geschäftsführung zu dem Entschluss gebracht, das Geschäft im Laufe des Jahres 2014 zu schließen, sagt Evers. Zudem hat im vergangenen Jahr das Modehaus P&C am Königsplatz geöffnet.

Torsten Evers

Seine Mitarbeiter, einige arbeiten schon 40 Jahre für das Unternehmen, seien über die Nachricht natürlich sehr traurig. Nichtsdestotrotz hätten sie ihm signalisiert, mit Volldampf ins Weihnachtsgeschäft zu starten und bis zur Schließung Gas zu geben, sagt Evers. „Das zeigt, was für ein tolles Team wir haben.“ Die Kollektionen für Frühjahr und Sommer 2014 seien bereits ausgesucht und geordert, so dass bis zur Schließung ein attraktives Sortiment angeboten werde.

„Diese Entscheidung, die dem Unternehmern nicht leicht gefallen ist, wird auch in der Modebranche allgemein bedauert“, sagt Evers. Zu den Kunden von Heinsius&Sander gehört auch Ljudmila Putina, die (Noch-)Gattin des russischen Präsidenten.

Das Geschäftshaus bleibe in Familienbesitz, sagt Evers. Es gebe bereits mehrere Interessenten, die das Objekt an der Oberen Königsstraße mieten wollten. (use)

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