Kasseler Student hat Energiesparherd-Bausatz für ärmere Länder entwickelt

Heiße Idee für Afrika

Kassel. Weil sie keinen Zugang zu modernen Küchengeräten haben, bereiten weltweit drei Milliarden Menschen ihre Mahlzeiten auf offener Flamme zu. Das ist nicht nur ineffizient und umweltbelastend – laut Weltgesundheitsorganisation sterben auch pro Jahr zwei Millionen Menschen an den Folgen der Rauchentwicklung. Der Kasseler Student Sebastian Erdmann entwickelt jetzt einen Energiesparherd-Bausatz, der die Kochbedingungen in ärmeren Ländern verbessern soll.

Der drei Kilogramm leichte und 45 Zentimeter hohe Energiesparherd aus Metall besteht aus drei Teilen: einer Außenhülle, einem Brennstoffbehälter und einem Kochtopf-Aufsatz. „Der Herd funktioniert nach dem Prinzip eines Holzvergaserkessels“, sagt der 25-jährige Maschinenbaustudent von der Uni Kassel.

Entflammtes Brennholz spaltet sich demnach in Holzkohle und Gase auf. Die Gase steigen nach oben, vermischen sich mit einem Luftstrom und entzünden sich. „Die entstandene Holzkohle kann man nach dem Kochen weiterverwenden“, sagt Sebastian Erdmann.

Wie effizient der Energiesparherd ist, verdeutlicht er an einem Beispiel: „Für zwei Kilogramm getrocknete Bohnen braucht man auf offenen Feuerstellen fünf Kilogramm Brennholz und zwei Stunden Kochzeit.“ Sein Prototyp hingegen koche doppelt so schnell, erzeuge wesentlich weniger Qualm und benötige lediglich 1,8 Kilogramm Brennholz – von dem nach dem Kochen 750 Gramm Holzkohle übrig bleiben.

„Es handelt sich natürlich immer noch um einen einfachen Herd, aber genau das wird in Afrika händeringend gesucht“, sagt er. Die Idee zu dem Bausatz kam dem Studenten während seines Freiwilligendienstes in Uganda. „Die Menschen dort suchen sich eine Autofelge, legen einen Maschendraht drüber und benutzen das dann als Grill“, erzählt er.

Erdmann arbeitete in einem Forschungszentrum in der Hauptstadt Kampala, in dem einfachste Herde aus gebogenem Blech hergestellt werden. Der gelernte Schlosser entwickelte diese Modelle vor Ort weiter und baute Prototypen für unterschiedliche Brennstoffe (Holz, Holzkohle, Pflanzenreste, Pellets). „Die Prototypen sind besser verarbeitet, langlebiger und können als Bausatz platzsparend in Kisten verschickt werden“, sagt Erdmann, der im kommenden Jahr ein Unternehmen gründen und die Herde in Serie herstellen will.

Anfangs werde er noch deutsche Metallbetriebe mit der Produktion beauftragen und die Bausätze nach Afrika verschiffen. „Ziel ist es aber, dass langfristig alles direkt in den Ländern hergestellt wird, in denen die Herde gebraucht werden“, sagt der Student, der auch mit Hilfsorganisationen zusammenarbeiten möchte. Kosten werde ein Herd umgerechnet fünf bis zehn Euro.

Sein Geschäftskonzept hat Sebastian Erdmann vor Kurzem beim Ideenwettbewerb Unikat der Uni Kassel vorgestellt – und den Publikumspreis gewonnen.

Von Sebastian Schaffner

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