Witzenhäuser Wissenschaftler wollen Amphibien neuen Lebensraum geben

20 Hektar für die Unke

Claus Neubeck

Witzenhausen. Sie ist nicht größer als fünf Zentimeter, hat herzförmige Pupillen und ist vom Aussterben bedroht: die Gelbbauchunke. Forscher der Uni Kassel in Witzenhausen haben sich der außergewöhnlichen Amphibie angenommen.

In Zusammenarbeit mit der Uni Trier wollen die Wissenschaftler des Fachgebiets Gewässerentwicklung/ Gewässerökologie den natürlichen Lebensraum der Unke wiederherstellen und damit die selbstständige Arterhaltung sicherstellen.

„Früher waren Gelbbauchunken so verbreitet wie etwa Spatzen“, sagt Projektkoordinator Claus Neubeck. Mit ihrem natürlichen Lebensraum schwanden aber auch die Tiere selbst. Die Amphibien vermehren sich in Tümpeln und Pfützen. Nachdem die meisten Flüsse begradigt und befestigt wurden, gebe es heute kaum noch Bereiche, in denen sich die Gelbbauchunke fortpflanzen könne.

„Eigentlich ist die Unke anspruchslos“, sagt Landschaftsplaner Neubeck. „Sie braucht Pfützen zum Laichen, die zum richtigen Zeitpunkt austrocknen.“ Teiche, die immer Wasser tragen, seien keine Alternative. Denn dann würden Insektenlarven oder Molche die Kaulquappen fressen. Trocknen die Wasserstellen aber aus, überlebten nur die jungen Unken, die sich im Vergleich zu anderen Larven besonders schnell entwickelten.

Um den Lebensraum der Gelbbauchunke wiederherzustellen, verfolgen die Witzenhäuser Wissenschaftler zwei Strategien. Auf einem 20 Hektar großen Gebiet in der Fulda-Aue bei Rotenburg haben sie einen Bach in seinen natürlichen Verlauf zurückversetzt. Außerdem weidet dort eine 20-köpfige Rinderherde. „Wenn man die Tiere lässt, fangen sie zum Beispiel an, sich im Wasser zu suhlen“, weiß Neubeck. Dadurch entstünden Pfützen und Tümpel, die für das Laichen der Gelbbauchunke ideale Voraussetzungen böten.

Geteilter Lebensraum

Das Besondere an der Gelbbauchunke ist, dass sie ihre Ansprüche an einen optimalen Lebensraum mit vielen anderen Arten teilt. Wo sie sich wohlfühlt, kommen auch seltene Arten wie die Bekassine, das Braunkehlchen oder der Weißstorch gut zurecht.

Parallel zum Gebiet bei Rotenburg nehmen die Forscher Proben von Gelbbauchunken in ganz Nordhessen. Eine genetische Analyse soll feststellen, wie sich die Unken in der Region verbreitet haben.

Dabei soll sich auch herausstellen, wie sich die sogenannte Inselbildung auf die Unken auswirkt. Inseln kommen immer dann zustande, wenn eine Gruppe von Tieren beispielsweise durch Straßen oder andere Hindernisse in einem Bereich isoliert ist.

Von Verena Schulz

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