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Helfer und Trostspender vor Ort: Christian Gruber aus Vellmar unterstützt die Ukrainer in Lwiw

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Von: Florian Hagemann

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Der Krieg ist auch in Lwiw: Hier gab es am Flughafen in der vergangenen Woche heftige Explosionen.
Der Krieg ist auch in Lwiw: Hier gab es am Flughafen in der vergangenen Woche heftige Explosionen. © Ismail Coskun/dpa

Christian Gruber arbeitet normalerweise in einem Hotel in Kassel und wohnt in Vellmar. Als der Krieg in der Ukraine losbrach, wollte er helfen – vor Ort.

Kassel / Lwiw - Christian Gruber arbeitet normalerweise in einem Hotel in Kassel und wohnt in Vellmar, aber was ist schon normal in diesen Zeiten? Als der Krieg in der Ukraine losbrach, dachte sich der 30-Jährige: Da muss ich helfen – vor Ort. Nun ist er in Lwiw, Westukraine. Er hat sich der gemeinnützigen örtlichen Hilfsorganisation Palianytsia angeschlossen und tut, was er kann.

Am Telefon berichtet er von seinen Erfahrungen, die nach zehn Tagen schon sehr eindrücklich sind. Der Krieg, so erzählt Christian Gruber, ist längst in Lwiw angekommen. Es gab einen Angriff der Russen auf den Flughafen, der direkt in der Stadt liegt, oft ist Sirenengeheul zu hören. „Ansonsten ist Lwiw bisher zum Glück noch verschont geblieben“, berichtet der Nordhesse.

Weil das so ist, halten sich mittlerweile auch viele Menschen aus der Ostukraine in Lwiw auf – Geflüchtete im eigenen Land. Viele kommen privat unter und viele in Gebäuden, die kurzerhand umfunktioniert worden sind. Christian Gruber erzählt von einem Restaurant, das nun geschlossen hat und dessen Räume jetzt für Menschen zur Verfügung stehen, die in anderen Städten ihr bisheriges Leben aufgeben mussten. Ein Beispiel von vielen.

Hilft in Lwiw: Christian Gruber aus Vellmar.
Hilft in Lwiw: Christian Gruber aus Vellmar. © Privat

Christian Gruber selbst wohnt in einem Haus, in dem eigentlich ein IT-Unternehmen untergebracht ist. Aber die Arbeitsräume sind nun Unterkünfte für Helfer wie Gruber, vor allem aber für Mitarbeiter der Firma und deren Angehörige, die aus anderen Städten fliehen mussten. Das Gebäude bietet auch einen großen Luftschutzbunker für den Fall der Fälle. Improvisation ist alles in diesen Tagen und Wochen.

Viele Menschen sind traumatisiert, benötigen Hilfe. Sie zu unterstützen, ist eine Aufgabe von mehreren, die Christian Gruber derzeit hat. Seine Hilfsorganisation versorgt zudem Krankenhäuser mit medizinischem Bedarf. Außerdem bringt sie Lebensmittel in jene Regionen, in denen die Versorgungslage immer schlechter wird.

Christian Gruber und seine annähernd 250 ehrenamtlichen Kollegen holen die Lebensmittel aus den drei Lagern der Hilfsorganisation in Polen ab, bringen sie in das Verteilzentrum in Lwiw, von dort aus werden sie in andere Städte gebracht – zum Beispiel auch nach Kiew. „Nach Mariupol und in andere hart umkämpfte Städte zu kommen, ist derzeit aber unmöglich“, berichtet der 30-Jährige.

Immer wieder kommt er mit Menschen in Kontakt, spricht mit ihnen. Viele Ukrainer können Englisch. So erfährt Christian Gruber von bewegenden Geschichten – und von dem, was die Menschen vor Ort bewegt. Kürzlich sprach er mit einem Mann in seinem Alter, der ursprünglich aus dem umkämpften Charkiw kommt und nach Lwiw geflüchtet ist. Er berichtete ihm, dass er mit einem Bekannten raus aus der Stadt gefahren sei, aufs Land. Dort habe er in einem Restaurant mal einen Cocktail getrunken und – ja – das Leben ein bisschen genossen. „Als er mir das erzählt hat, sind ihm die Tränen gekommen. Er wurde von der Realität eingeholt und hat sich fast schlecht gefühlt, dass er das gemacht hat“, sagt Christian Gruber, der auch ein gewisser Trostspender ist.

Er macht das alles in seinem Jahresurlaub, der noch bis Mai reicht. Er macht es, weil er nicht zusehen kann, wie die Ukraine angegriffen wird. Er sieht es als seine Pflicht, „als Europäer der Ukraine beizustehen“. Er macht es, um die Menschen dort zu unterstützen.

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