Nach internen Streitigkeiten tauchen Clubs in Nordhessen nicht mehr auf

Hells Angels: Rocker kehren Kassel den Rücken

Rocker unter Kriminalitäts-Verdacht: Die Hells Angels und ihre Unterorganisationen breiten sich in Südniedersachsen aus. Sie fallen durch martialisches Auftreten auf. Die Polizei verdächtigt sie zahlreicher Verbrechen und beobachtet sie. Archivfoto:  dpa

Kassel / Werra-Meißner. Überschaubar sind die Aktivitäten von Rocker-Clubs wie den Hells Angels in Nordhessen geworden. Derzeit gebe es keine Erkenntnisse, dass sich Rocker-Gangs aus Südniedersachsen über die Landesgrenze hinaus ausbreiten, sagt Polizeisprecherin Sabine Knöll.

Mit kriminellen Aktivitäten träten die Clubs als Organisation seit einiger Zeit schon nicht mehr in Erscheinung. Jedoch kämen Straftaten einzelner Rocker ab und an vor.

Vor einigen Jahren war das anders. Mitglieder der Hells Angels aus ganz Nordhessen waren im Charter Kassel organisiert. Wie andernorts auch ging es dabei meist oft um Drogen, Prostitution sowie Waffenbesitz.

Vorn mit dabei war Ulrich Detrois. 1999 gründete er das Charter Kassel und war acht Jahre lang dessen Vizepräsident. Wegen einer Intrige seiner „Brüder“, wie er es beschrieb, wurde er 2007 aus dem Club geworfen. Und er suchte Schutz bei Polizei und Staatsanwaltschaft, die er bis dahin als „Erzfeinde“ bezeichnet hatte. Aus freien Stücken tat er dies nicht. Detrois fürchtete um das Leben seiner Schwester. Im Sommer 2010 veröffentlichte er ein Buch und versilberte seine Erlebnisse bei den Hells Angels. Zum Verkaufserfolg dürfte beigetragen haben, dass „Bad Boy Uli“, wie er sich selber nannte, stets betonte, dass es einen Mordauftrag gegen ihn gebe.

Nachdem Detrois seine „Brüder“ den Behörden auslieferte, mussten sich sieben von ihnen im Mai 2008 wegen schweren Raubes vor dem Kasseler Landgericht verantworten. Sie hatten Detrois nach dessen Ausschluss Symbole der Hells Angels gewaltsam abgenommen und wurden zu Bewährungsstrafen verurteilt.

Bei Hells Angels in anderen Teilen Deutschlands sollen die Vorgänge in Nordhessen keine große Freude ausgelöst haben. Angeblich verfügte der mächtige Präsident des Charters Hannover, Frank Hanebuth, das Charter Kassel aufzulösen. Seitdem gilt Nordhessen als weitgehend frei von Hells Angels und anderen Rocker-Clubs. (clm)

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