Den Helm nimmt er noch nicht  – Als Motorradpfarrer ist er weiter aktiv

Pfarrer Reinhard Natt scheidet bei der Bundespolizei aus

Mit viel PS vor die Kirchentür: Reinhard Natt, der scheidende Oberpfarrer der Bundespolizei in Fuldatal, wurde zu seinem Abschiedsgottesdienst in der Versöhnungskirche im Bossental von Motorrädern eskortiert. Foto: Koch

Kassel / Fuldatal. Nicht nur oben auf der Kanzel, sondern mitten im Geschehen: Wenn Polizisten angetrunkene Fußballfans in Zügen in Schach hielten oder sich bei Castortransporten an der Strecke postierten, war auch Reinhard Natt dabei. Ende des Monats nimmt der 61-Jährige nun seinen Hut. Erfüllt und „dankbar für viel Gegenliebe“.

Als Oberpfarrer der Bundespolizei in Fuldatal zählte unter anderem die „Begleitung im Einsatz“ zu seinen Aufgaben. Gestern verabschiedete sich Natt bereits von seinen Wegbegleitern der Bundespolizei mit einem Gottesdienst, der einen PS-starken Anfang nahm: Bis vor die Kirchentür wurde er von einem Motorradkorso eskortiert. Denn der Pfarrer hatte während seiner maximal möglichen zwölf Dienstjahre bei der Bundespolizei (ehemals Bundesgrenzschutz) seinen Motorradführerschein gemacht und war fortan auch als rollender Geistlicher unterwegs. Bei sogenannten „Rüstzeiten“ gab es jeden Tag eine Andacht, oft unter freiem Himmel. „Toll ist, welche Nähe dort entsteht“, schildert der sympathische Seelsorger. Auch Privates hätten die Teilnehmer während dieser Freizeiten mit ihm geteilt.

Während Natt als Motorradpfarrer seinen Helm noch längst nicht nehmen will, ist bei der Bundespolizei in Fuldatal nun Schluss. Dort war er seit 2002 vor allem in berufsethischen Zusammenhängen gefragt.

„Ein Polizist muss nun mal in besonderer Weise die Würde des Menschen berücksichtigen“, sagt Natt, der auch am Aus- und Fortbildungszentrum der Bundespolizei in Eschwege unterrichtete.

Natt war beispielsweise gefordert, junge Polizisten darauf vorzubereiten, mit Leichen umzugehen – und mit Gewissenskonflikten, die den gebürtigen Schwälmer selbst als jungen Menschen beschäftigten: Nach dem Abitur in Treysa hatte sich Natt als Zeitsoldat verpflichten lassen. Doch während seiner Offiziersausbildung reifte der Entschluss, Theologie in Marburg zu studieren.

Seine erste Pfarrstelle hatte Natt 1985 im nordhessischen Trendelburg-Gottsbüren, 1990 wurde er Militärpfarrer in seiner Schwälmer Heimat, 1998 arbeitete er erneut als Gemeindepfarrer - diesmal in Hofgeismar -, bevor er 2002 schließlich Oberpfarrer am Bundespolizei-Standort Fuldatal wurde.

Das Amt war mit einer großen Reisetätigkeit verbunden. Denn zuständig war Natt neben einigen hessischen auch für zahlreiche ostdeutsche Standorte wie etwa Magdeburg und Gera.

Künftig wird sein Radius wieder kleiner: Als „Springer“ wird er im Rahmen einer Verfügungsstelle auf Kassels Kanzeln stehen – und dabei eine Dienstherrin bekommen, die ihm bestens vertraut ist: seine Ehefrau Marita Natt, Prälatin der Evangelischen Kirche von Kurhessen- Waldeck, mit der er drei erwachsene Töchter hat. Natt fügt augenzwinkernd an: „Sie ist dann meine Chefin im Dienst und zu Hause.“

Reinhard Natts Nachfolger wird Pfarrer Eckhard Zihn von der Bundespolizei in Frankfurt.

Von Anja Berens

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