Hohe Hürden dürch Atomrecht

Hermanns baut Verwaltungsgebäude am Schacht Konrad

Bauen unter schwierigsten Bedingungen: In Salzgitter errichtet Hermanns für 12,5 Millionen Euro in zwei Abschnitten ein Sozial- und Verwaltungsgebäude am Schacht Konrad. Fotos: Schachtschneider (1)/nh

Kassel. Die Kasseler Hermanns AG baut am Atomendlager Schacht Konrad in Salzgitter. Auch diese Baustelle gehört in die Reihe der anspruchsvollen Projekte der Tief- und Hochbauer.

Kassels größte Bauunternehmung, die Hermanns AG, ist bundesweit für ihre Kompetenz bei anspruchsvollen Projekten bekannt: aufwändige Deponiebauten und komplexe Tunnel und Brücken, Krankenhäuser, Museen und Bibliotheken, große Wohnanlagen und Schulen, schwierige Tief- und Straßenbau-Aufträge. Jetzt gesellt sich ein weiteres anspruchsvolles Projekt hinzu: In zwei Abschnitten bauen die Kasseler Spezialisten für 12,5 Millionen Euro ein Verwaltungs- und Sozialgebäude am Schacht Konrad in Salzgitter.

Das alte Bergwerk wird derzeit zum Endlager für radioaktive Abfälle mit vernachlässigbarer Wärme-Entwicklung – wie etwa klinische Abfälle – umgebaut. Auftraggeber ist die staatliche Deutsche Gesellschaft zum Bau und Betrieb von Endlagern (DBE) im Auftrag des Bundesamtes für Strahlenschutz.

Das von Hermanns im vergangenen Jahr begonnene Bauwerk, das 2019 fertiggestellt werden soll, reicht sechs Meter in die Tiefe und neun in die Höhe. Es wird am Ende 113 Meter lang und 20 bis 36 Meter breit sein. Das Gebäude wird nach Fertigstellung die gesamte Verwaltung sowie die Leitwarte, die Grubenfeuerwehr und Sozialräume mit Sanitärbereich und Kauen aufnehmen.

Nach Angaben des zuständigen Hermanns-Abteilungsleiters, Bernd Nordheim, ist das eigentliche Bauprojekt als solches nicht sonderlich anspruchsvoll, die Rahmenbedingungen aber umso mehr. Denn am Schacht Konrad herrschen besonders hohe Sicherheits-, Bergbau- und atomrechtliche Anforderungen. Das gilt auch für das Verwaltungs- und Sozialgebäude, obwohl es oberirdisch gebaut und vom später einzulagernden schwach radioaktiven Atommüll nichts mitbekommen wird.

Das fängt bereits beim Personaleinsatz an. Jeder, der die Baustelle betreten will, muss sich einer aufwändigen und in der Regel dreimonatigen atomrechtlichen Überprüfung unterziehen lassen. Fällt dann einer der Überprüften – auch bei den Subunternehmern – aus, muss rasch zugelassenes Ersatzpersonal bereitstehen, damit die Baustelle nicht in Verzug gerät oder sogar ruht.

Jede Schraube registriert

„Das erfordert ein hohes Maß an Planung und eine vorausschauende Personaldisposition“, erklärt Nordheim. Und damit nicht genug: Alles Material, das auf die Baustelle gebracht wird, muss angemeldet werden. „Jede Schraube wird registriert“, so der Ingenieur.

Hermanns setzt mit 380 Beschäftigten 75 Millionen Euro im Jahr um. „Wir könnten deutlich mehr machen, aber uns fehlen die Leute. Das ist ein branchenweites Problem“, sagt Vorstandsmitglied Dr. Anne Fenge. Die Auftragslage ist gut. Hermanns ist bis zum Jahresende so gut wie ausgelastet. Größte Baustellen sind derzeit neben Schacht Konrad eine Krankenhaus-Erweiterung in Darmstadt, eine neue Bibliothek für die Uni Paderborn, der Bau eines Hubschrauber-Hangars für den Helikopter-Spezialisten Helitec am Flughafen Kassel sowie ein Stadtvillen-Projekt der Familie Glinicke in Kassel.

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