Im Wehlheider Gefängnis wurden Drogen und größerer Geldbetrag entdeckt

Heroin im Hohlraum

Fundort: Im Wehlheider Gefängnis wurde Heroin entdeckt. Es gibt Indizien für einen Drogenhandel. Archiv: Herzog/Flugschule Kassel, Uwe Knabe

Kassel. Es gibt Anhaltspunkte dafür, dass in der Justizvollzugsanstalt Kassel I größerer Handel mit Heroin betrieben wird. Dr. Hans Liedel, Sprecher des hessischen Justizministeriums in Wiesbaden, hat auf Anfrage der HNA bestätigt, dass am Freitag, 2. Dezember, etwas Heroin in einer JVA-Werkstatt gefunden worden ist.

Bei einer Routinekontrolle seien am Arbeitsplatz eines inhaftierten Russen in dem Hohlraum eines Blechschranks 0,3 Gramm Heroin, ein Handy mit Sim-Karte und Ladegerät, acht Spritzen mit Nadeln, eine Feinwaage sowie 4200 Euro gefunden worden, bestätigt der Ministeriumssprecher. Daraufhin sei der Betrieb sofort stillgelegt worden, und Polizei und Staatsanwaltschaft wurden eingeschaltet. Eine Durchsuchung der Räume durch die Polizei mit zwei Drogenspürhunden habe allerdings keine weiteren Betäubungsmittel zutage gebracht. Liedel wertet den Drogen- und Geldfund als „großen Erfolg“, der der Aufmerksamkeit der JVA-Beamten zu verdanken sei. Er sagt zudem: „Wir bleiben dran und wir sind wach.“

Das Justizministerium sei illusionsfrei und wisse, dass auf der ganzen Welt keine drogenfreie JVA existiere. Trotzdem verfolge man das Ziel, ein drogenfreies Gefängnis zu erreichen.

Mit Blick auf die hohe Geldsumme, die bei dem russischen Inhaftierten gefunden wurde, ist davon auszugehen, dass er bereits größere Mengen Heroin verkauft hat. Der HNA liegen Informationen vor, dass weitere 500 bis 600 Gramm Heroin in der JVA I versteckt sein könnten. Darüber soll in dem Wehlheider Gefängnis gemunkelt werden. Bei einem ehemaligen Inhaftierten, ebenfalls einem Russen, sollen dem Vernehmen nach die Drogen bestellt werden, über das erlaubte Telefonsystem oder per Post.

Ein Insider der JVA kritisiert in diesem Zusammenhang, dass die Briefe der ausländischen Inhaftierten nicht mehr von den Bediensteten gelesen werden können. Da die Beamten keine kyrillische Schrift lesen könnten oder auch nicht Arabisch beherrschten, verlasse die Post ungesehen das Gefängnis. Übersetzungen dieser Gefangenenpost seien vor geraumer Zeit aus Kostengründen eingestellt worden.

Einzelfallprüfung

Laut Ministeriumssprecher Liedel wird die Post von ausländischen Inhaftierten übersetzt, wenn sich zwei Insassen von unterschiedlichen Anstalten schreiben. Bei Briefen, die nach draußen geschickt werden, sehe das Gesetz eine Einzelfallprüfung vor. Das werde dann gemacht, wenn ein Verdacht auf Straftaten bestehe. In der Realität sei es aber nicht möglich, die gesamte Post von über 500 Gefangenen in Wehlheiden zu überprüfen.

Dass Gefangene aus der ehemaligen Sowjetunion regen Handel mit Drogen im Knast treiben, ist kein Novum: In Darmstadt muss sich eine Bande vor Gericht verantworten, die 2009 und 2010 in der Justizvollzugsanstalt Darmstadt mit über 900 Tabletten sowie Heroin und Kokain gehandelt haben soll. (use)

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