Prozessauftakt: Männer schmuggelten 6,5 Kilo Heroin für Kassels Drogenmarkt

Kassel. Sie holten kiloweise Heroin von Rotterdam nach Kassel - und waren doch schon längst im Visier der Polizei: Beim letzten Transport im Januar dieses Jahres schlugen die Beamten im Brückenhof zu und nahmen die drei Männer fest.

Seit gestern sitzt das ungleiche Trio auf der Anklagebank der 5. Strafkammer des Landgerichtes. Die beiden 28 und 39 Jahre alten Hauptangeklagten sind muskulöse Männer mit harten Gesichtern. Sie kommen aus dem Kosovo, leben aber schon seit Jahren in Kassel und sitzen derzeit in der JVA Kassel in Untersuchungshaft.

Der Mitangeklagte will so gar nicht zu den beiden anderen passen: Der Deutsche wurde vor 26 Jahren in Afghanistans Hauptstadt Kabul geboren und kann es selbst nicht so recht glauben, dass er zum Drogenkurier wurde: „Ich studiere, ich arbeite, ich komme aus guter Familie, ich habe eine Zukunft“, sagte er und schilderte der Strafkammer unter Vorsitz von Richter Stanoschek wie er in den Schlamassel hineingeriet.

5000 Euro Schulden hatte er angehäuft, beim Poker, durch Konsum von Kokain und Alkohol, als ihn der jüngere Kosovare als Kurier anheuerte. Der vorherige Fahrer sei beim dritten Transport festgenommen worden.

Beim ersten Mal fuhr der 28-Jährige noch mit nach Rotterdam. Dort übernahm ein Türke das Auto, in dem jeweils zwischen ein und zweieinhalb Kilogramm Heroin versteckt wurden. Beim dritten Transport wurde das Trio dann schon von der Polizei erwartet.

Zuvor, so Staatsanwalt Ernst in seiner Anklage, hätten die beiden Hauptangeklagten bei den Türken in Rotterdam zwei Margen von zwei und zweieinhalb Kilogramm bestellt, die in die Brückenhofsiedlung geliefert wurden.

Insgesamt haben die beiden Hauptangeklagten laut Staatsanwaltschaft 6,5 Kilogramm Heroin nach Kassel geschafft und dort auch verkauft.

Keinen Erfolg hatte die Verteidigung mit ihrem Antrag, den Prozess für drei Wochen zu unterbrechen, um einen USB-Stick mit 28.000 Dateien auszuwerten. Darauf sind zahlreiche Telefongespräche der Angeklagten und ihrer Lieferanten und Kunden gespeichert, die von der Polizei abgehört wurden.

Weil diese Gespräche zum Großteil in fremden Sprachen geführt wurden, müssten sie erst übersetzt werden. Richter Stanoschek wies diesen Antrag zurück. Für den Prozess sind weitere fünf Verhandlungstage angesetzt, der nächste am Montag.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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