360 Menschen evakuiert

Herrenloser Koffer und Fliegerbombe: Die Chronik eines verrückten Tages in Kassel

In den Schatten gestellt: Die Fliegerbombe, die gestern Morgen bei Bauarbeiten in der Kasseler Westendstraße entdeckt worden ist, wird mit einem Pavillon abgedeckt, damit sie vor der prallen Sonne geschützt ist. Foto: Andreas Fischer

Kassel: Erst ein herrenloser Koffer, dann der Fund einer Fliegerbombe. Die Chronik eines nicht alltäglichen Tages in der Stadt. 

Ein Tag, zweimal Bombenalarm. Während bei dem herrenlosen Werkzeugkoffer in der Hugenottenstraße schnell Entwarnung gegeben werden konnte, liefen die Arbeiten an der Weltkriegsbombe in der Westendstraße noch bis in den Abend. 

Die Chronik einer Entschärfung

10 Uhr: Auf der Baustelle der GWH in der Westendstraße wird bei Sondierungsarbeiten eine 125 Kilogramm schwere amerikanische Weltkriegsbombe gefunden. Die Arbeiter alarmieren die Behörden.

11 Uhr: Der Kampfmittelräumdienst inspiziert den Blindgänger, der in einem Hügel aus Bauschutt freigelegt wurde. Schnell ist klar: Die Bombe muss vor Ort entschärft werden. Das heißt auch, dass die Anwohner evakuiert werden müssen.

11.30 Uhr: Die Polizei sperrt die Westendstraße zwischen Friedrich-Ebert-Straße und Königstor komplett ab. Auch von der Motzstraße aus ist es nicht mehr möglich, in die Westendstraße zu gelangen.

Polizisten überwältigen Frau

13 Uhr: Unter den Anwohnern ist es ruhig. Noch weiß keiner, wann die Evakuierung beginnt. An der Motzstraße, keine 20 Meter vom Fundort entfernt und mit freiem Blick auf die Bombe, hängt ein Mann auf seinem Balkon Wäsche ab. Auch an der Friedrich-Ebert-Straße und am Königstor ist die Stimmung entspannt.

Zumindest weitestgehend. Denn einmal müssen die Polizisten doch eingreifen, als eine – wie sich später herausstellt – polizeibekannte Frau die Anweisungen der Beamten ignoriert und versucht, die Absperrung zu passieren. Die Polizisten müssen sie überwältigen und abführen.

14.45 Uhr: Die Evakuierung beginnt. In der gesamten Motzstraße sowie in den direkt angrenzenden Häusern an der Westendstraße und dem Königstor müssen die Anwohner ihre Wohnungen verlassen.

Die Feuerwehr klingelt an den Türen. Wer nicht mobil ist, wird von Rettungskräften in die Turnhalle der Albert-Schweitzer-Schule gebracht. Dort hat der DRK eine Betreuungsstelle für die knapp 360 betroffenen Anwohner eingerichtet. Viele Anwohner fragen, wann sie zurück in ihre Wohnungen können. Sicher kann das zu diesem Zeitpunkt niemand sagen. Als Richtwert gibt die Feuerwehr 20 Uhr an.

15.15 Uhr: Die ersten Evakuierten erreichen die Betreuungsstelle. Auch Sozialarbeiterin Sabrina Rabich musste mit einigen Klienten die Sozialtherapiestelle in der Motzstraße verlassen. „Wir haben etwas zu trinken und sind gut gestrandet“, sagt die 38-Jährige. Darüber, die Nacht hier zu verbringen, will Rabich zwar noch nicht nachdenken, aber ihre Klienten würde sie nicht alleine lassen.

In der Betreuungsstelle in der Albert-Schweitzer-Schule (von links): Erika Klein und Jessica Vitt vom DRK versorgen die Evakuierten mit Getränken. Foto: Pia Malmus

„Wenn bis 20 Uhr noch keine Klarheit herrscht, müssen wir Feldbetten aufstellen“, sagt Wolfgang Weber vom DRK. 57 evakuierte Anwohner suchen Unterschlupf in der Albert-Schweitzer-Schule.

Entschärfung wird eingeleitet

17 Uhr: Inzwischen ist das Areal um den Fundort weiträumig abgesperrt. Zwischen Wilhelmshöher Allee, Karthäuser Straße, Kölnischer Straße und Querallee fährt kein Auto und keine Tram mehr. Die Entschärfung wird eingeleitet.

18.45 Uhr: Aufatmen in der Betreuungsstelle an der Albert-Schweitzer-Schule und bei den Einsatzkräften an der Westendstraße. Die Bombe konnte sicher entschärft und abtransportiert werden.

19.05 Uhr: Nach rund vier Stunden des Wartens und Ausharrens können die Bewohner der Westendstraße und der Motzstraße in ihre Wohnungen zurückkehren.

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