Belastung durch Feinstaub in Kassel 2011 deutlich gestiegen

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Vorsicht, Feinstaub: An der viel befahrenen Fünffensterstraße, wo auch eine Mess-Station steht, ist die Belastung durch Feinstaub besonders hoch. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Feinstaub-Belastung in Kassel deutlich angestiegen.

Kassel. Im Vergleich zum Vorjahr hat die Belastung mit Feinstaub in der Kasseler Atemluft 2011 deutlich zugenommen. Bis zum 27. Dezember wurde der EU-Grenzwert von 50 Mikrogramm Feinstaub je Kubikmeter Luft an 30 Tagen überschritten. 2010 war dies nur an 16 Tagen der Fall.

Mit den diesjährigen Überschreitungen wird Kassel aber immer noch unter der zulässigen Marke bleiben: Der Grenzwert darf an 35 Tagen im Jahr überschritten werden.

Verantwortlich für den Anstieg der Feinstaub-Belastung ist laut Dr. Jürgen Drewitz, Leiter der Abteilung Umwelt im Kasseler Umwelt- und Gartenamt, hauptsächlich das Wetter. „Im Februar, März und November hatten wir mit stabilen Hochdruck-Wetterlagen kaum einen Luftaustausch“, sagt er. Bei diesen Wetterlagen liegt warme Luft wie ein Deckel über der kalten Luft am Boden. Die kann nicht aufsteigen und reichert sich mehr und mehr mit Schadstoffen an.

Auch die für die Atemwege ebenso gefährliche Belastung mit Stickstoffdioxid ist gestiegen. Der Jahresmittelwert 2011 liegt bei 51,4 Mikrogramm (50,6 Mikrogramm 2010). Der zulässige Grenzwert beträgt 40 Mikrogramm. Mit Werten über 50 Mikrogramm wird der zulässige Jahresmittelwert für die Stickstoffdioxid-Belastung seit 2006 in Kassel jedes Jahr überschritten. Der Ballungsraum Kassel gilt als Luftbelastungsgebiet.

In Sachen Feinstaub-Belastung liegt Kassel im Vergleich zu anderen Städten laut Drewitz „ziemlich gut im Schnitt“. Für Gießen etwa wird es mit bisher 35 Überschreitungen eng. Frankfurt und Darmstadt hatten schon vor Wochen mehr Grenzwertüberschreitungen als erlaubt. Hauptverursacher von Stickstoffdioxid ist laut Drewitz der Kraftfahrzeugverkehr. Für die Feinstaub-Belastung sind außer dem Verkehr ebenso die Gebäude-Heizungen verantwortlich. „Vor allem die Holzverbrennung nimmt nach unserer Wahrnehmung zu“, sagt der Umwelt-Experte.

Um die Schadstoff-Belastung weiter zu verringern, arbeitet die Stadt Kassel derzeit an einem Verkehrsentwicklungsplan. „Dabei kommt das ganze Verkehrsgeschehen auf den Prüfstand“, sagt Drewitz. Ziele seien unter anderem der Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs sowie des Fahrradnetzes. In diesem Zusammenhang nennt er etwa die Straßenbahnlinie 1 nach Vellmar und das geplante Fahrradverleihsystem Konrad. Zudem sei vorgesehen, die Signal-Steuerung zu optimieren. Zur Verringerung der Schadstoffe sei auch die energetische Modernisierung (Wärmedämmung) von öffentlichen und privaten Gebäuden ein wichtiger Faktor, ebenso wie der Ausbau des Fernwärmenetzes.

Von Mirko Konrad

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