Göttinger Professor ist Pionier bei Herstellung von künstlichem Gewebe aus Stammzellen

Seit 2008 in Göttingen: Professor Wolfram-Hubertus Zimmermann ist einer der Pioniere bei der Entwicklung von Verfahren zur Herstellung von künstlichen Herzgewebe. Foto: Rink/pid

Göttingen. Auf den ersten Blick erscheint die Apparatur im Labor von Professor Wolfram-Hubertus Zimmermann in der Göttinger Universitätsmedizin nicht spektakulär: eine Reihe mit acht Glasgefäßen, jedes eingepasst in eine spezielle technische Vorrichtung und angeschlossen an diverse Schläuche.

In jedem Gefäß befindet sich ein blasses, ringförmiges Gebilde, das zwischen zwei Haken eingespannt ist und aussieht wie ein Tintenfischring. Die Ringe sind Produkte der Stammzellforschung: Es sind künstliche Herzgewebe, die genauso kraftvoll und rhythmisch schlagen können wie ein natürliches Herz.

Zimmermann ist einer der Pioniere bei Verfahren zur Herstellung von künstlichem Herzgewebe. Als weltweit erstem Wissenschaftler war es ihm vor drei Jahren am Uniklinikum Eppendorf in Hamburg gelungen, künstliches Herzgewebe aus menschlichen Stammzellen zu züchten und zum Schlagen zu bringen.

Dies erreichte das Forscherteam durch einen Trick: Sie setzten die Zellen einer mechanischen Stimulation aus. Die physikalischen Reize und die Dehnung bewirkten, dass das Gewebe zu pulsieren begann.

Seit Oktober 2008 forscht Zimmermann an der Universität Göttingen, wo er die Abteilung Pharmakologie leitet. Gemeinsam mit seinem Team arbeitet der 40-jährige Stammzellforscher weiter an der Entwicklung so genannter zellulärer Kardiaka. Dies sind biomedizinisch hergestellte Arzneimittel zur Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Im Fokus steht der Herzinfarkt. Ziel der Forschungen ist es, defektes Gewebe durch bioartifizielles Herzgewebe zu ersetzen und damit das beschädigte Herz wieder zu kräftigen. Bei Ratten funktioniert dies bereits. Die Forscher züchten künstliches Gewebe aus den isolierten Herzzellen junger Ratten, das dann auf ein künstlich geschädigtes Rattenherz genäht wird. Die Flicken wachsen nicht nur am Herzmuskel fest, sondern schlagen auch im selben Takt.

Stammzellen aus Haaren

Für die Anwendung am Menschen kommt dieser Weg allerdings nicht in Frage, weil man einem Herzpatienten schlecht Herzmuskelzellen entnehmen kann. Deshalb versuchen die Wissenschaftler zu klären, welche Art von Zelle sich am besten als Ausgangsmaterial für die Herstellung von künstlichem Herzgewebe eignen könnte. Ein möglicher Weg ist die Generierung von Stammzellen aus Haaren herzkranker Patienten.

Erfolgversprechend erscheint auch der Ansatz, Stammzellen aus unbefruchteten Eizellen zu entwickeln. Hier sei vor allem die Abstoßungsgefahr gering, sagt Zimmermann. Bis solche gezüchteten Herzgewebe jedoch klinisch eingesetzt werden können, sind noch viele Hürden zu nehmen. (pid)

Von Heidi Niemann

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.