Daniela Rosenkranz über ihre Erlebnisse mit Älteren bei der Fahrt zum Impfen

Herzensfahrt zum Piks ins Impfzentrum Kassel

Im Impfshuttle unterwegs: Daniela Rosenkranz fuhr rund 100 Senioren in den vergangenen Monaten.
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Im Impfshuttle unterwegs: Daniela Rosenkranz fuhr rund 100 Senioren in den vergangenen Monaten.

Kassel – „Es war mir eine Ehre, Sie kennengelernt zu haben.“ Dieser Satz eines älteren Herren aus Lohfelden hat bei Daniela Rosenkranz aus Kirchditmold ein warmes, wohliges Gefühl hinterlassen. Dieses Kompliment wurde der 47-jährigen Frau gemacht, nachdem sie den Senior nach der zweiten Impfung gegen das Corona-Virus wieder zu Hause abgesetzt hatte.

Daniela Rosenkranz hat von Ende Januar bis Ende Juli annähernd 100 Senioren ab 80 entweder in das Impfzentrum am Kasseler Auestadion oder nach Calden chauffiert. Kostenlos. Damit nicht genug. Sie hat die Menschen auch während des Impfprozederes begleitet.

Die Idee für den kostenlosen Service hatte Anfang des Jahres Ernesto Plantera, Geschäftsführer des Kasseler Sicherheitsunternehmens Protex. Zusammen mit dem Verein Sempers (Senioren mit Perspektive) und den Autohäusern Dürkop, Bibbig, Ostmann, Glinicke und Wesertor stellte er den Fahr- und Begleitservice für die Senioren auf die Beine.

Daniela Rosenkranz las erstmals Mitte Januar von dem Angebot bei Facebook. Normalerweise arbeitet sie im Modegeschäft Engbers in der Innenstadt. Durch den Lockdown hatte sie damals allerdings plötzlich sehr viel Zeit. „Zudem fahre ich gern Auto“, sagt die 47-Jährige. Nachdem sie zu Hause alles aufgeräumt hatte, kam ihr die Idee, sich als Fahrerin bei Protex zu bewerben. Auf 450-Euro-Basis wurde sie angestellt.

Neben ihr haben neun weitere Fahrer, zum Teil auch ehrenamtlich, die Senioren zum Impfen chauffiert, sodass insgesamt um die 500 Fahrten zusammengekommen sind. Die erste Fahrt führte Daniela Rosenkranz nach Eschwege. Damals konnten sich dort die Senioren noch nicht impfen lassen, deshalb bekamen sie einen Termin in Kassel. Über eine Stunde dauerte die Fahrt mit der älteren Dame aus Eschwege. „Das war eine Herzensfahrt“, sagt die 47-Jährige. „Wir haben die ganze Zeit geschnuddelt.“ Die Frau habe ihr hinterher auch noch geschrieben.

Bei den Gesprächen während der Fahrten, bei denen Rosenkranz viele Familiengeschichten zu hören bekam, habe man die alten Frauen und Männer auch beruhigen können. Schließlich hätten sie nicht gewusst, was sie beim Impfen erwartet. Rosenkranz stand den Senioren auch im Impfzentrum zur Seite. „Manche konnten nicht richtig sehen, andere nicht schreiben, weil sie zittrige Hände hatten“, erzählt sie.

Alle hätten sich aber darüber gefreut, dass sie endlich geimpft werden konnten, sagt Rosenkranz. Man dürfe nicht vergessen, dass viele der älteren Menschen vor dem ersten Impftermin so gut wie keine Kontakte hatten. „Wir waren die ersten Menschen, die sie nach langer Zeit gesehen haben. Die waren einfach nur froh, dass sie wieder Kontakt zu ihren Familien haben dürfen.“

Das Gros der Senioren hat mit Dankbarkeit reagiert. Es seien keine Frauen und Männer darunter gewesen, die garstig gewesen seien. Als Dank hätten die Fahrer Schokolade, Kuchen und Sekt geschenkt bekommen. Auch Trinkgeld. Das habe man aber nicht in die eigene Tasche gesteckt, sondern an den Verein Sempers, der die Fahrten organisiert hat, weitergegeben.

Den Umgang mit Menschen hat Daniela Rosenkranz auch ihrer Tätigkeit im Einzelhandel zu verdanken, wo sie seit 31 Jahren arbeitet. Sie hat allerdings auch ein Händchen dafür, Menschen eine Freude zu machen. Wenn sie Senioren von Baunatal nach Calden fahren musste, hat sie zum Beispiel den Weg über die Rasenallee gewählt, damit die alten Leute mal wieder den Bergpark sehen konnten.

Hintergrund

Mit diesem Angebot für Senioren ab 80 habe sein Unternehmen der Region etwas zurückgeben wollen, sagt Ernesto Plantera, Geschäftsführer von Protex. Denn trotz der Lockdowns und dem Wegfall der meisten Veranstaltungen habe sein Sicherheitsunternehmen im vergangenen Jahr keine wirtschaftlichen Einbußen hinnehmen müssen. Im Gegenteil. Durch die coronabedingten Aufträge im Objektschutz habe man sogar ein Umsatzplus verzeichnen können. (use)

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