Herzinfarkt-Versorgung: Studie stellt Kardiologie in Stadt und Kreis ein gutes Zeugnis aus

Kassel. Jede Minute zählt: Ob ein Patient einen Herzinfarkt überlebt, ist nicht zuletzt eine Frage des Wohnorts. Schnell und gut muss die Versorgung vor Ort sein. Im bundesweiten Vergleich stehen Stadt und Kreis Kassel sehr gut da.

Das sagt Ernst Bruckenberger, der in seinem Herzbericht 2010 zu dem Ergebnis kommt: Werhier einen Herzinfarkt erleidet, hat bessere Überlebenschancen als anderswo. „Akuter Herzinfarkt“ - diese Todesursache stand 2008 auf 5,6 Prozent aller Totenscheine in der Stadt und auf 5,3 Prozent im Kreis.

In Kassel starben im gesamten Jahr 119 Menschen an akutem Herzinfarkt, im Kreis waren es 136 - die bundesweit vergleichbare Sterbeziffer liegt in der Stadt 20 Prozent unter dem Bundesdurchschnitt, im Kreis 25,8 Prozent. Im Rennen um die beste Versorgung eilt der Kreis einigen seiner Nachbarn davon. „Entscheidend ist“, sagt Karl-Friedrich Appel, Kardiologe im Ambulanten Herzzentrum Kassel, „ob und wie schnell dem Patient mit Verdacht auf Herzinfarkt ein Katheter gelegt wird.

“ Wer in der „goldenen ersten Stunde“ nach Schmerzbeginn versorgt wird, habe hohe Überlebenschancen. Der schnelle Transport zu einem Herzkatheter-Messplatz sei gewährleistet: „Auch von den Kreisgrenzen aus binnen 30 bis 60 Minuten.“ In Kassel gibt es vier solcher Messplätze. Die Kardiologie hat einen Sprung nach vorne gemacht - da sind sich die Spezialisten einig: „Vor zehn Jahren starben im Krankenhaus 20 Prozent aller Patienten, die mit Herzinfarkt eingeliefert wurden“, sagt Appel, „heute sterben weniger als zehn Prozent aller behandelten Herzinfarkt-Patienten.“

Diejenigen, die nicht behandelt werden, stellen das eigentliche Problem dar. Den Faktor Mensch sieht auch Bruckenberger als entscheidend: „Viele Patienten warten zu lange“, sagt er. Das weiß auch Kardiologe Appel: „Durch das Zögern des Patienten werden die meisten Minuten verschenkt.“

Von Pia Schleichert

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