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„Was muss ich als neuer Hesse wissen?“ Kasseler Student bittet um Hilfe

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Von: Nadja Austel

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Er ist neu in Kassel, neu in Hessen – der Student, der das Internetportal Reddit um Hilfe bittet – und wird herzlich empfangen. Zugezogen ist er aus Oberfranken.

Kassel – Der Dialekt in Hessen sei glücklicherweise schon einmal relativ einfach zu verstehen, bemerkt der frisch nach Kassel gezogene Student. Er meldete sich auf dem Internetportal Reddit in einem Unter-Forum (Sub: r/hessich_iel) an, das sich der humorvollen Zelebrierung der (süd-)hessischen Kultur verschrieben hat. „Memes uff Hessisch“ gibt es hier. Bembel und Gerippte verzieren das Layout. Scheinbar keine schlechte Anlaufstelle für Ratschläge über Hessen. Doch Vorsicht: Kassel ist nicht gleich Frankfurt.

Im Themenbereich „Eschendwas anners“ stellt er seine Frage – die übrigen Kategorien hätten inhaltlich auch nicht ganz so gut gepasst: „Dummgebabbel“, „Bembel“, „Aus de Regione“ und „Afach üwwersetzt“ hätten zur Auswahl gestanden. Nur „Bayern schlecht“ wäre dann noch geblieben. Vielleicht hätte man auch hier einen gemeinsamen Nenner gefunden.

Hessen: Student zieht nach Kassel und somit ins „schönste Bundesland“

Was er als neuer Hesse in Kassel wissen müsse, fragte er in die Runde. Wohlwollend wird seine Migration aufgenommen: „Ei gude! Ersdemal herzlisch willkomme im schönste Bundesland“, wird ihm unter anderem geantwortet – und die Begrüßungsformel gleich erweitert. Wenn er einen besonders gesprächigen Tag habe, könne man auch sagen: „Ei gude, wie?“ Mögliche korrekte Antworten auf diese Variante des Grußes wären etwa: „Gude!“, oder auch: „Muss, un selbst?“

Als Nordhesse wird der Student damit allerdings nicht durchgehen, denn die Meme-Seite übergeht dabei die kulturellen Unterschiede zwischen Nord- und Südhessen. Würde der Student nach Frankfurt ziehen, wäre die Anrede „Gude!“ zweifellos stilecht. In Kassel wird der Student mit diesem Ausdruck eher weniger in Berührung kommen. Begriffe, die dem Neu-Nordhessen dagegen sehr wohl begegnen werden, sind beispielsweise „schnuddeln“ (quatschen, ein Schwätzchen halten), „alszus“ (ständig) oder „Schnucke“ (Süßigkeiten).

Immerhin bekommt der Zugezogene auch noch einen guten Tipp mit auf den Weg: Als Bewohner Kassels solle man sich auf jeden Fall über die weltberühmte documenta informieren. Die habe er schon in Teilen mitbekommen, antwortet der Original-Poster (ursprünglicher Beitragsverfasser). Zur Documenta seien „lustige Gestalten in der Stadt unterwegs“ gewesen. Ein Nutzer weist zudem auf den Bergpark als Weltkulturerbe und Ausflugsziel hin. „Auf den Bergpark und die dazugehörigen Schlösser ist man hier ziemlich stolz.“ Recht hat er!

Grundkurs für Neu-Hessen: Reddit gibt Student aus Kassel Nachhilfe

Es folgt eine teils paraphrasierte, teils zitierte Zusammenfassung der Ratschläge, die der Student aus Kassel auf Reddit erhalten hat:

Kassel: Im Norden von Hessen wie im Süden gilt „Ebbelwoi“ als Kulturgut

Den „Ebbelwoi“ müsse er als Neu-Hesse zudem lieben lernen – den Apfelwein also. Als „Anfänger“ könne er ihn „eventuell erst mal sauer gespritzt, also mit Sprudel“ trinken. Süß gespritzt habe mit „Ebbelwoi“ nicht mehr viel zu tun und sei maximal als „Einstiegsdroge“ zu verzeihen. Handkäs‘ hingegen sei „so e Sach“, auch gebürtige Hessen würden ihn nicht unbedingt mögen.

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Der Neu-Hesse in Kassel bittet Reddit um Hilfe: Im Themenbereich „Eschendwas anners“ stellt er seine Frage. (Symbolbild) © Frank Rumpenhorst/dpa

Der sei aber im Norden auch gar nicht so sehr verbreitet. Hier spiele viel mehr die „Ahle Woscht“ oder „Stracke“ eine Rolle, kommentiert ein Nutzer. Im „Roihesse“ („bei de arme Exilande“) müsse er sich hingegen „Fedderweißer unn Zwiwwelkuuche“ zu Gemüte führen. Beharrt wird auch von den übrigen Kommentierenden allerdings nur auf dem „Ebbelwoi“: „Ebbelwoi is geil, Punkt aus.“

Blasorchester in Kassel gesucht – Neu-Hesse aus Oberfranken sucht gleichgesinnte Einheimische

Nebst „Ebbelwoi“-Liebe, „Gude“ und der documenta in Kassel gebe es in Hessen außerdem eine Sache zu beachten: „Halt dich von Offenbach fern“, wird dem Original-Poster von einem Mitglied des Forums gewarnt. Das solle er lieber „einfach bleiben“ lassen. Unsicher hakt der Fragesteller nach, was es mit Offenbach denn genau auf sich habe. Das sei „so en Ding für sich“, antwortet ein anderes Mitglied. Wie der „Kollege“ schon gesagt habe, einfach fern halten solle er sich. Wahlweise könne man sich auch ein Musikvideo von „Haftbefehl“ ansehen, um zu wissen, „was man dadezu wisse muss“, beendet ein weiterer Kommentar das Offenbach-Thema.

„Eine wichtige Sache hätte ich noch“, fügt der Original-Poster seinem Beitrag hinzu. Er spiele so gerne Trompete. Wo er herkomme, gäbe es sehr viele Blasorchester. In Kassel habe er bisher Mühe, eines zu finden. „Blasmusik ist hier nicht so sehr verbreitet, oder?“, fragt er das Forum. Bislang (Stand 15. Oktober) konnte ihm in diesem Punkt nicht abschließend weitergeholfen werden. (Nadja Austel)

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