Keine Mitbringsel in Trachten

Hessenfest ohne Püppchen - Reihe der Sammelstücke reißt ab

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Sammlerin: Rosi Barthel mit sechs Hessentagspüppchen aus dem Jahr 1996 (Gelnhausen; von links), 2010 (Stadtallendorf) und 1999 (Baunatal). Im Hintergrund ist ihre Vitrine mit der gesamten Sammlung zu sehen.

Kassel. „Ich bin traurig: In Kassel wird es kein Hessentagspüppchen geben“, sagt Rosi Barthel. Dabei sammelt die 70-Jährige die Mitbringsel von Hessentagen im ganzen Land von Anfang an.

Jetzt reißt die Serie ab, denn das Kasseler Hessentagsbüro hat beschlossen, kein Puppenpärchen in Auftrag zu geben. „Die Entscheidung gegen Trachtenpuppen tut uns für alle Sammler leid“, sagt Stefanie Herzog vom Hessentagsbüro, „aber es gibt einige Gründe, die dagegen sprechen.“

Bei einer Mindestabgabe von 5000 Stück habe man im Rathaus Bedenken, ob man am Ende nicht auf ein paar Tausend Exemplaren sitzen bleibe. Eine niedrigere Auflage werde aber deutlich teurer in der Herstellung. „Wir müssen auf jeden Pfennig achten“, sagt Herzog. Letztlich seien Figürchen in Spitzbetzel oder Schwälmerhut ohnehin überflüssig, denn das Hessentagspaar trage ja keine Tracht, weil Kassel traditionell keine Tracht besitzt. „Wir in Kassel sind eben etwas anders.“

Im Wohnungsflur von Rosi Barthel und Dieter Markert, die in diesem Jahr das Amt des Wehlheider Bürgermeisterpaars bekleiden, gibt es eine Vitrine, in der die Püppchen chronologisch aufgereiht zu bewundern sind: bunt und putzig, in mehr oder weniger authentisch nachempfundener Kleidung. „Die neuesten haben sogar bewegliche Schlafaugen“, sagt Rosi Barthel.

Alle Puppen sind knapp zehn Zentimeter groß und scheinen der gleichen Puppenform entsprungen zu sein. Bis auf das Paar aus Stadtallendorf im Jahr 2010, das deutlich an Größe aus dem Reigen hervorragt. Zum ersten Hessentag der Geschichte, 1961 in Alsfeld, gab es noch kein Trachtenpaar in Miniaturausgabe.

Viele bunte Puppen: 1989 wurde in Frankenberg erstmals ein Trachtenpüppchen-Paar aufgelegt (ganz links). In der Sammlung von Rosi Barthel sind die Hessentags-Mitbringsel nach Entstehungsjahr geordnet.

Erst 1989 waren in Frankenberg die Festorganisatoren auf die Idee gekommen, Puppen als Souvenire aufzulegen. „Ich habe damals für die Bundeswehr gearbeitet“, erzählt Rosi Barthel.

Weil die Bundeswehr beim Hessentag mit einem Infostand vertreten war, kam sie auf die Idee, sich ein Mitbringsel zu kaufen. „Ich fand die so niedlich.“ So fing die Sammelleidenschaft an. Viele Hessentage besuchte Rosi Barthel, eine gebürtige Heiligenstädterin und inzwischen leidenschaftliche Wahl-Kasselerin, selbst. Wo sie nicht war, ließ sie sich die Püppchen mitbringen, zuletzt zum Preis von 7,50 Euro pro Paar.

Auch wenn es in Kassel keine Trachtenpuppen geben wird – auf das Fest freuen sich Rosi Barthel und Dieter Markert schon sehr. Als Wehlheider Bürgermeisterpaar sind sie beim Festumzug ganz offiziell dabei.

In unserem Tumblr-Blog können Sie alle Hessentagspuppen in Augenschein nehmen. In unserem Hessentag-Spezial finden Sie außerdem umfangreiche Informationen zum Hessentag in Kassel.

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