Hessenforst will historische Wege erhalten

Alleen drohten zu verschwinden - Hessenforst rettet historische Baumstraßen im Habichtswald

Das erste Alleenprojekt: In einem ersten Schritt soll die 300 Bäume zählende Kastanienallee Richtung ehemaliges Gasthaus „Zum Silbersee“ wieder vervollständigt und gepflegt werden. Dagmar Löffler und Matthias Schnücker (beide Hessenforst) kümmern sich darum.
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Das erste Alleenprojekt: In einem ersten Schritt soll die 300 Bäume zählende Kastanienallee Richtung ehemaliges Gasthaus „Zum Silbersee“ wieder vervollständigt und gepflegt werden. Dagmar Löffler und Matthias Schnücker (beide Hessenforst) kümmern sich darum.

Die historischen Alleen im Hohen Habichtswald sind in einem schlechten Zustand. Nun will Hessenforst die Alleen wiederherstellen.

Kassel – Zudem soll eine alte mit Kastanien gesäumte Sichtachse, die einen Blick vom Kloster Burghasungen bis zum Herkules ermöglichte, wieder angelegt werden. Für das mehrjährige Großprojekt wird um Spenden gebenden. Wie viele Alleen es genau im Hohen Habichtswald einst gab, ist noch nicht ermittelt. Matthias Schnücker vom zuständigen Forstamt Wolfhagen und die Revierförsterin Dagmar Löffler sind noch bei der Recherche in Archiven. Es seien mindestens zehn gewesen.

Viele von ihnen standen in Zusammenhang mit dem Bergpark und bezogen sich auch auf diesen. Weil das Kanalsystem für die Wasserspiele sich teilweise im gleichen Bereich westlich des Sichelbachteiches befindet, gehören mehrere Alleen zudem zur Kernzone des Weltkulturerbes. Deshalb arbeitet das Forstamt bei dem Projekt mit der Museumslandschaft Hessen-Kassel (MHK) zusammen.

Noch in diesem Jahr sollen zwei herrschaftliche Alleen aus dem Dornröschenschlaf erweckt werden. Zum einen die zwei Kilometer lange Kastanienallee, die auf das ehemalige Gasthaus „Zum Silbersee“ führt und zum anderen die ein Kilometer lange Eichenallee, die sich von der Kreuzung Rasenallee/Wolfhager Straße bis zum ehemaligen Waldgasthaus Erlenloch (heute Grimm Hütte) erstreckt. An der Kastanienallee müssen 55 fehlende Bäume ersetzt werden und an der Eichenallee, auf der schon die kaiserliche Familie mit Pferden unterwegs war, muss an 30 Standorten nachgepflanzt werden. Insgesamt sind dafür 50 000 Euro nötig.

Doch die beiden Alleen sollen nur der Startschuss eines mehrjährigen Projektes werden, das historische Landschaftsgestaltung sichtbar machen soll. „Der Habichtswald ist sicher der größte Erholungswald in Hessen“, so Schnücker. Dieser Funktion müsse er gerecht werden.

Der Hohe Habichtswald

Der Hohe Habichtswald, in dem sich die historischen Alleen befinden, ist Teil des Naturparks Habichtswald. Er erstreckt sich westlich von Kassel. Die 38 Quadratkilometer große Waldfläche gehört zum Großteil zum Stadtgebiet. Auch der Bergpark Wilhelmshöhe ist Teil des Hohen Habichtswaldes. Die höchste Erhebung des Mittelgebirgszugs ist das Hohe Gras mit 615 Metern. In dem Waldgebiet dominieren Laubbaumbestände. Es gibt viele Wiesen- und Weideflächen.

Sind nach einer Rodung aufgetaucht: Die alten Kastanien standen einst entlang einer historischen Sichtachse, die einen Blick vom ehemaligen Kloster Burghasungen zum Herkules ermöglichte. Die Schneise ist heute überwuchert.

Wer im Hohen Habichtswald spazieren geht, kann an vielen Stellen erahnen, dass dieser Wald immer schon mehr als ein Nutzwald war. Neben der Holzproduktion und den Weideflächen für die Viehhaltung diente er schon in vorherigen Jahrhunderten den Kasselern – in Teilen auch nur dem Adel – zur Naherholung. Davon zeugen ein Dutzend historische Alleen, kaiserliche Reitbahnen und angelegte Baumgruppen, die inzwischen vielfach von der Natur überwuchert wurden.

Hessenforst will mit Spenden historische Wege erhalten

Dies soll sich dank einer Initiative von Hessenforst ändern. „Eigentlich wollen wir uns ja nicht zu stark in die Natur einmischen“, sagt Dagmar Löffler, die zuständige Revierförsterin. Aber bei dem Projekt gehe es darum, das historische Landschaftsbild zu erhalten. Die alten Alleen seien aber nicht nur ästhetisch ein Gewinn, sondern hätten auch eine ökologische Funktion. Viele Insekten orientierten sich daran.

Leider sei der Bestand der Alleen in den vergangenen Jahren nicht besonders gepflegt worden, so Matthias Schnücker vom Forstamt Wolfhagen. Dies gelte auch für die Kastanienallee beim ehemaligen Gasthaus „Zum Silbersee“ und die Eichenallee am früheren Gasthaus Erlenloch, das mittlerweile „Grimm Hütte“ heißt. In beiden Fällen sind viele Alleebäume durch Trockenheit und Schädlinge geschädigt oder abgestorben. Teilweise seien andere Baumarten in den Lücken gewachsen. Wuchernde Sträucher störten das Alleenbild. Teilweise reichten die angrenzenden Wälder bis an die Baumreihen heran.

Störender und konkurrierender Bewuchs soll noch in diesem Herbst entfernt werden und die Lücken mit jungen Kastanien beziehungsweise Eichen gefüllt werden. „So werden die Alleen wieder erlebbar“, sagt Schnücker.

Historische Eichenallee: Der als kaiserliche Reitbahn angelegte Weg führt zur „Grimm Hütte“ (früher Erlenloch).

Gleiches soll in den nächsten Jahren auch mit einer historischen Sichtachse geschehen. Die einstige Schneise im Hohen Habichtswald ermöglichte früher einen Blick vom ehemaligen Kloster Burghasungen bis zum Herkules und war mit Kastanien bestanden. Sie ist auf alten Karten um 1850 noch eingezeichnet, aber inzwischen völlig eingewachsen. Einige der Kastanien an der Sichtachse traten erst wieder zum Vorschein, als vergangenen Herbst nahe des Loipenhauses die von Sturmschäden betroffene Waldfläche drumherum gerodet wurde.

Parallel zur Wiederherstellung der historischen Baumreihen läuft eine Aufarbeitung zum Ursprung der Alleen. Mit dem Naturpark Habichtswald will Hessenforst entsprechende Infotafeln für Wanderer entwickeln. Auch ein Alleenwanderweg ist eine der Ideen. (Bastian Ludwig)

Wer für die Wiederherstellung der Alleen spenden möchte, wendet sich an Matthias Schnücker (Hessenforst): Matthias.Schnuecker@forst.hessen.de, 05692/989822

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